Online-Spielpläne und kreative Eigeninitiativen

Musik für zu Hause in Zeiten von Corona

von Holger Slowik (02.06.2020)

Was hätte man eigentlich als Musikenthusiast gemacht, wäre das Musikleben vor 25 Jahren zu einer Zwangspause verdammt worden? Man hätte selbst musiziert, allein oder in der Familie – das ist auch heute noch die beste Lösung! Ansonsten hätte man, um den Gang ins Konzert zu kompensieren, in sein CD-Regal gegriffen und sich selbst einen Konzertabend zusammengestellt; oder mit Hilfe einer Videokassette einer Opernaufführung beigewohnt. Im Jahr 2020 werden diese Möglichkeiten durch ein unglaublich reiches, nicht mehr zu überblickendes Angebot im Internet ergänzt. Mit ungeheurer Schnelligkeit und mit großer Kreativität haben die Musikschaffenden auf die Zwangspause des Musiklebens reagiert und alternative Konzert- und Opernangebote bereitgestellt. Eine ganz kleine Auswahl dieser Angebote haben wir für Sie im Folgenden zusammengestellt.

Die Berliner Philharmoniker betreiben seit 2008 die  Digital-Concert-Hall, in der Konzerte live gestreamt und anschließend archiviert werden. Über die Jahre ist so ein beeindruckendes Konzertarchiv in hoher Bild- und Klangqualität herangewachsen, ergänzt durch Dokumentationen und informative Pausengespräche. Die Berliner Philharmoniker waren auch eines der ersten Orchester, das das Live-Streaming von Konzerten - in kleiner Besetzung und unter Wahrung der Abstandsregeln - realisiert hat.

Das Konzerthausorchester Berlin stellt unter dem Motto  konzertZUhaus ein höchst abwechslungsreiches Programm ins Netz. Es gibt nicht nur Konzertaufzeichnungen, sondern auch virtuelle Mitmach-Aktionen für Kinder, Führungen durch das wunderschöne Konzerthaus in der Mitte Berlins und vieles mehr.

Für alle Opernliebhaber, die jetzt mit viel freier Zeit zu Hause sitzen, bietet der online-Spielplan, auf den die großen Opernhäuser umgestellt haben, die Möglichkeit, ohne Reisekosten und Ticketsorgen weltweit die Inszenierungen ihrer Lieblingsopern zu vergleichen, und/oder neue Opern frei Haus kennenzulernen. Entweder wechselt das Programm täglich, wie bei den Staatsopern in  Wien und  Berlin, oder die Aufzeichnungen bleiben länger online, so handhaben es etwa die  Bayerische Staatsoper oder die  Komische Oper Berlin.

Die Bayerische Staatsoper hat  Montags-Konzerte eingerichtet, in denen dem Haus verbundene Künstlerinnen und Künstler Kammermusik- oder Liederabende auf der Bühne des Nationaltheaters live präsentieren.

Die  Hamburgische Staatsoper ergänzt ihr Streaming-Angebot durch äußerst kreative Videos, die Mitglieder des Ensembles und des Orchesters zu Hause aufnehmen. Es bleibt zu hoffen, dass zumindest die Serie „KitchenOpera“ auch nach der Krise fortgesetzt wird!

Auch abseits der großen Institutionen und Orchester explodiert das Netz gerade vor digitalen Angeboten in Sachen Musik. Stellvertretend für alle Musikerinnen und Musiker, die in den eigenen vier Wänden für die Öffentlichkeit weiter musizieren, sei der Pianist  Igor Levit genannt, der in den letzten Wochen täglich zwischen 18 und 19 Uhr zum Jour fixe eingeladen hat.

Schließlich sei noch eine regionale Initiative erwähnt: Die  Coronale Kaufbeuren, ein Online-Festival, das innerhalb kürzester Zeit von Kulturschaffenden der Region aus dem Boden gestampft wurde, präsentiert täglich einen neuen Beitrag, von Volksmusik bis zum Kindertheater.

Soweit ein kleiner Ausschnitt aus dem weltweit riesigen Angebot. Sobald uns neue, besonders spannende Ideen für Musik im Netz auffallen, werden wir Sie in unseren Social-Media-Kanälen darauf aufmerksam machen.