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Weihnachten in aller Welt

Stretta-Mitarbeiter erzählen ihre Weihnachtstraditionen

Unser Repertoire an Weihnachtsliedern ist mittlerweile sehr international: Wir singen „We Wish You a Merry Christmas“ oder „Feliz Navidad“, doch wie wird in England oder in anderen Ländern und Regionen Weihnachten gefeiert? Stretta-Mitarbeiter erzählen uns von den Weihnachtsbräuchen in ihrem Heimatland – da ist so manche musikalische und kulinarische Überraschung dabei.

Italien

von Eleonora Paolin

Zu Weihnachten erstrahlen die historischen Zentren der italienischen Städte im Lichterglanz. Dort, wo die Häuser aufs Meer blicken, breiten sich die Lichter entlang der Küste aus. Manche Dörfer sehen aus wie traditionelle Krippen, wie die in den Geschäften der Via San Gregorio Armeno in Neapel. Weihnachtslieder, vor allem englische, erklingen dort überall.

Die Vielfalt Italiens macht Weihnachten je nach Region zu einem anderen Erlebnis. Beginnt man in Trentino-Südtirol, gibt es da Weihnachtsmärkte, die denen in Österreich und Deutschland ähneln. Kommt man nach Sizilien, wird es dort zu Weihnachten kaum Schnee geben (mit Ausnahme des Ätna). So kann man eine echte kulturelle, musikalische und gastronomische Reise durch den ‚Stiefel‘ unternehmen.

Normalerweise beginnt die Weihnachtszeit am Tag des Heiligen Ambrosius, dem Schutzpatron von Mailand (7. Dezember). An diesem Tag wird die Mailänder Scala eröffnet, was oft mit dem Schmücken des Weihnachtsbaums zusammenfällt. Eine typisch italienische Tradition sind die Zampognari: Dudelsackspieler, die vor allem in Latium, den Abruzzen und Molise durch die Dörfer und Städte ziehen und Weihnachtsmusik spielen.

Die Volkstradition hat das Weihnachtsfest und die Figur des Jesuskindes (das die Geschenke bringt) schon immer mit traditionellen Liedern gefeiert, die während der Prozessionen im Dialekt der jeweiligen Region gesungen wurden. Auf nationaler Ebene ist das repräsentativste Weihnachtslied sicherlich „Tu scendi dalle Stelle“, das 1764 von Alfonso Maria de' Liguori geschrieben wurde. Auch das lateinische Lied „Adeste fideles“ ist besonders beliebt und wird in Italien immer noch gesungen.

Natürlich gibt es in allen Theatern Konzerte oder Veranstaltungen zu Weihnachten und zu Silvester, aber das wichtigste musikalische Ereignis, das man zu Hause verfolgen kann, ist das Neujahrskonzert im La Fenice in Venedig. Viele Kirchen veranstalten auch eigene Weihnachtskonzerte mit einem Chor, und Grundschulen und Kindergärten führen in der Regel ein Theaterstück auf, das für alle Eltern und Verwandten zugänglich ist.

Vielerorts gibt es den Brauch der lebendigen Krippen, aus denen später die Krippen mit Figuren hervorgegangen sind. Der geschmückte Baum wird in letzter Zeit aber immer beliebter. Die kulinarische Komponente nimmt einen besonderen Platz im Fest der Familie ein. Manchmal kochen sogar alle zusammen. Man sagt: „Natale con i tuoi, Pasqua con chi vuoi“ (Weihnachten mit der Familie, Ostern mit wem du willst).

Im Zentrum und im Süden ist es üblich, den Heiligabend am 24. mit dem so genannten Cenone (großes Abendessen) zu feiern, während man im Norden eher am 25. am Familienessen teilnimmt. Auf den Tischen der Italiener sind zu Weihnachten vor allem diese Süßigkeiten zu finden: Panettone, Pandoro und Torrone sowie viele andere, die nur an bestimmten Orten typisch sind.

Die Tradition der Weihnachtsmesse um Mitternacht, manchmal gefolgt von einem Fackelzug, oder der Gang nach Hause zum Auspacken der Geschenke ist fast überall erhalten geblieben. Manche legen die Geschenke schon in der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember aus, ganz nach der Tradition von Santa Lucia, die sie bringt.

Die weihnachtliche Stimmung legt sich erst am 6. Januar: Dann nämlich fliegt Befana, eine alte Frau, auf ihrem Besenstiel um alle Häuser, um die Strümpfe der Kinder mit Süßigkeiten zu füllen, wenn sie brav waren, ansonsten mit Kohle. „L'Epifania tutte le feste le porta via“: Mit dem „Dreikönigsfest, das alle Feierlichkeiten wegnimmt“, beginnt offiziell ein neues Jahr!

Buon Natale e felice anno nuovo!
Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

Deutschland

von David Rauh

Es ist der 24. Dezember. Ein kleines, verheißungsvolles Glöckchen hängt an der Türklinke. Das Wohnzimmer ist schon seit Tagen verschlossen. Fleißige Wichtel verwandeln den Raum und wir Kinder dürfen erst gucken, wenn alles vorbereitet ist! Also warten wir geduldig und genießen das letzte, dafür größte Schokoladenstückchen aus dem Adventskalender.

Die Stunden verstreichen bis zum Nachmittag: Ein letztes Mal laufen wir über den Weihnachtsmarkt und hören dort „Last Christmas“. Gestresste Musiker laufen an uns vorbei. Wahrscheinlich sind sie in Gedanken an ihr nächstes Konzert, etwa das Weihnachtsoratorium von J.S. Bach? Wir sind eigentlich auf dem Weg zum Familiengottesdienst mit Krippenspiel. Die Kleinen singen dort im Kinderchor und spielen Blockflöte, unser Vater die Orgel. Zum Schluss stimmt bei „Stille Nacht“ die ganze Gemeinde im überfüllten Kirchenhaus mit abgedunkeltem Licht ein.

Nach Hause zurückgekehrt, erblicken wir schon die erste Überraschung im Haus: Überall an den Fenstern hängt von der Familie gebastelte Weihnachtsdeko. Jetzt könnte es jeden Moment losgehen, wir warten nur auf das musikalische Zeichen aus der Küche: Bachs Ouvertüre D-Dur BWV 1068. Zum Abendessen gibt es Kartoffelsalat mit Wiener Würstchen. Andernorts würde man vielleicht Gans essen.

Mit vollem Magen spielen wir in der Familie zweistimmige Weihnachtslieder auf der Blockflöte. Danach verschwindet die Mutter ins Wohnzimmer, um alle Kerzen anzuzünden. Weil das eine ganze Weile dauert, begibt sich der Rest der Familie ans Klavier und wir Kinder präsentieren die Früchte des Übens der vorangegangenen Wochen mit Arrangements weiterer Weihnachtslieder, bis…

die Glocken ertönen!

Die Schallplatte mit Aufnahmen verschiedener Kirchtürme ist das Zeichen, auf das wir schon die ganze Adventszeit gewartet haben, denn es bedeutet: Den Eintritt in das aufwendig gestaltete Weihnachtszimmer mit Krippe, Weihnachtsbaum, Spieluhren, Plätzchentellern und natürlich Bergen an Geschenken. Doch vor der Bescherung hören wir noch das Evangelium und singen die Lieder, die wir vorher instrumental gespielt haben – zum Klang der Glocken! Weihnachten ist da.

Fröhliche Weihnachten!

Niederlande

von Luc Scholtes

Die schönste Erinnerung an die Adventszeit in meiner Kindheit beginnt mit dem traditionellen Adventskalender. Jeden Morgen im Dezember machte ich, bevor ich in die Schule ging, ein Türchen auf und konnte ausnahmsweise schon morgens das kleine Stückchen Schokolade essen. Das durfte ich normalerweise natürlich nie!

Jeden Samstag ging es dann in die Kirche, wo eine große, beeindruckende Weihnachtskrippe stand. Wenn ich nicht mit meinen Eltern dort gewesen wäre, wäre ich Stunden geblieben, um mir nach der Messe all diese besonderen Einzelheiten anzuschauen. Danach besuchten wir immer meine Oma und trotz winterlicher Kälte habe ich diese Zeit immer als warm und gemütlich empfunden.

Bei uns wurden die Geschenke nicht an Heiligabend, sondern erst am 1. Weihnachtsfeiertag ausgepackt, aus verschiedenen Gründen: Erstens kam an diesem Tag unsere Familie aus Deutschland in Kerkrade an und zweitens musste ich selbst immer an Heiligabend mit meinem Jugendblasorchester in der Kirche spielen. Der wichtigste Grund aber war, dass mein Vater an Heiligabend mit seinen Freunden vom Blasorchester in unserem Viertel Weihnachtslieder spielte. Etwa um Mitternacht kamen die Musiker dann auch zu uns an die Tür und spielten bekannte, meist deutsche, Weihnachtsmelodien.

Als Jugendlicher bin ich später selbst mitgegangen. Wir fingen immer um 23 Uhr in unserer Kirche an. Natürlich wussten die erfahrenen Musikanten, dass es bestimmte Adressen gab, wo wir wahrscheinlich etwas zu trinken bekommen würden. Wir spielten da einige Weihnachtslieder und wurden dann eingeladen auf eine heiße Schokolade, einen Glühwein oder einen Schnaps (der auch gegen festgefrorene Ventile gut funktioniert hat). Manchmal gab es sogar noch Reste vom Weihnachtsessen!

Es wurde immer später und später und die Kapelle wurde immer kleiner. Einmal haben wir um 4 Uhr nachts mit drei Posaunen und einer Klarinette immer wieder „Jingle Bells“ wiederholt, weil der musikalische Leiter mit den Noten schon längst nach Hause gegangen war und wir (teilweise alkoholbedingt) nur noch dieses Lied auswendig spielen konnten. Beim Aufwachen am 1. Weihnachtsfeiertag habe ich, trotz Ermüdung, aber immer gedacht: „Schön war’s...“

Vrolijk Kerstfeest!
Frohe Weihnachten!

Großbritannien (England)

von Edward Lee

Weihnachten ist eine Zeit, die die Menschen zusammenbringt, egal woher sie kommen oder woran sie glauben. In Großbritannien treffen wir uns am 25. Dezember mittags zu einem großen Festessen, mit einem wunderbar gebratenen Truthahn und all den traditionellen Beilagen, wie Brotsauce und Salbei-Zwiebel-Füllung. Doch eine Weihnachtstradition, die mein Herz immer besonders erfüllt und meine Seele wärmt, hat mit Musik zu tun.

Als Junge sang ich im Chor, und so war ich zu Weihnachten mit Auftritten in Carol Services, festlichen Matineen, Messen und Abendandachten sehr beschäftigt – doch der einzige Gottesdienst, der mich wirklich besinnlich stimmte und den Beginn der Ferienzeit ankündigte, war die Mitternachtsmesse.

Alles ist still, alles ist dunkel, nur die tanzenden Schatten der flackernden Kerzen, die von den Gemeindemitgliedern gehalten werden, erleuchten den ersten Introitus. Die Vorfreude steigt mit den ersten Akkorden der Orgel, die den Auftakt zum magischsten Gottesdienst des Kirchenjahres bilden. Wunderbare Weihnachtslesungen, sowohl geistliche als auch weltliche, unterhalten die Gemeinde, während die schönsten Weihnachtslieder gesungen werden. Und keines ist passender als „Stille Nacht“: „Silent night, Holy night, all is calm, all is bright.“

Die Kathedrale, die jetzt mit Weihnachtsbäumen und Dekorationen geschmückt sowie von Lichtern und Kerzen erleuchtet ist, füllt sich mit den Stimmen, Hoffnungen und Träumen einer ganzen Gemeinde. Die Predigt ist immer eine Gelegenheit, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und sich auf das neue Jahr zu freuen. Was können wir mitnehmen? Was sollen wir zurücklassen? Am Ende des Gottesdienstes, wenn „Hark! The Herald Angels Sing“ durch die Querschiffe hallt, breitet sich ein neuer Glanz der Freude und des Miteinanders über die Gemeinde aus.

Die Mitternachtsmesse war immer eine Gelegenheit, Familie und Freunde am Vorabend von Weihnachten zu sehen und sich einen Moment Zeit zum Nachdenken zu nehmen, bevor man ein neues Jahr begrüßt. Der Weihnachtstag ist immer voller Freude und Aufregung, doch die Mitternachtsmesse ist eine Möglichkeit, eins zu sein mit dem vergangenen und dem kommenden Jahr, eins zu sein mit Gott, und Frieden zu finden, bevor das gesellige Weihnachtsfest beginnt. Nun sind alle Hallen geschmückt, die Glocken läuten und alle träumen von weißen Weihnachten.

Merry Christmas and a happy New Year! Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

Rumänien

von Mihaela Roman

Obwohl die Menschen während des Kommunismus viele Traditionen aufgeben mussten, ist Weihnachten in Rumänien auch heute noch ein Fest mit zahlreichen Bräuchen. Weihnachten (rum. Crăciun) ist das wichtigste Fest des Jahres.

Die Menschen, die orthodox gläubig sind, verzichten vor Weihnachten 40 Tage lang auf Fleisch, Eier und Fisch, um für das Fest vorbereitet zu sein. Die Fastenzeit beginnt am 14. November und endet somit am 24. Dezember. Während dieser Zeit bieten viele Bäckereien oder sonstige Einkaufsläden spezielle Fastenprodukte an.

Wie in Deutschland bringt am 6. Dezember Sankt Nikolaus (Moş Nicolae) die ersten Geschenke. Die rumänischen Kinder stellen am Abend des fünften Dezembers ihre geputzten Schuhe an die Haustüre und warten auf süße Geschenke.

In den Tagen vor Weihnachten ziehen die Colindători (singende Kinder) von Haus zu Haus und singen traditionelle rumänische Lieder, sagen Gedichte auf und wünschen alles Gute für Weihnachten und das neue Jahr. Dafür werden die Kinder mit Süßigkeiten, Brezeln, Obst und manchmal auch mit Geld belohnt. Diese Tradition findet heute nur noch in kleinen Dörfern in Rumänien statt. Zudem entstehen in Rumänien mehr und mehr Weihnachtsmärkte, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen.

Das Weihnachtsfest beginnt am Heiligabend (Ajunul Crăciunului), wenn der Tannenbaum dekoriert wird, und die Geschenke werden nach dem Abendessen ausgepackt. Bei uns in der Familie war es so, dass der Weihnachtsmann (Moș Crăciun) die Geschenke persönlich in einem Sack gebracht hat.

Als Kinder waren wir sehr aufgeregt, weil wir noch berichten mussten, ob wir auch schön brav und gut in der Schule waren. Außerdem mussten wir ein Lied vorsingen oder ein Gedicht aufsagen. Später als Jugendliche haben wir aufgehört, an den Weihnachtsmann zu glauben, und wir haben unsere Geschenke einfach unter den Weihnachtsbaum gelegt bekommen.

Das Essen ist ein großer Bestandteil jedes rumänischen Feiertags, aber besonders wichtig ist es an Weihnachten. Traditionell werden Schweinebraten und Sauerkrautrouladen mit Polenta (Mămăligă) gegessen und Țuică (ein starker Pflaumenschnaps) und Wein getrunken. Zum Nachtisch gibt es zahlreiche Gebäcke, Kuchen und Torten. Der Weihnachtskuchen (Cozonac), ein Sandkuchen mit Nüssen oder Mohn, darf dabei nicht fehlen. Die traditionelle Weihnachtsmusik nennt sich Colinde. Sie wird von einer Person oder im Chor gesungen.

Ich freue mich, auch dieses Jahr wieder die rumänischen Weihnachtstraditionen zu erleben, und ich wünsche allen:

Crăciun fericit!
Frohe Weihnachten!

Tschechien

von Dr. Tomáš Ibrmajer

Die Geschenke wurden gestern Abend verteilt, der Karpfen mit Kartoffelsalat ist gegessen und die Mitternachtsmesse war der Abschluss eines schönen Festtages. Aber Weihnachten ist noch lange nicht vorbei, zumindest nicht das musikalische! Heute ist der Morgen des 25. Dezembers und wie jedes Jahr werden wir heute die schönste tschechische Weihnachtsmesse spielen! Die schlichte, aber ergreifende Musik des böhmischen Landkantors Jakub Jan Ryba (Böhmische Hirtenmesse), die die Geschichte von der Ankunft der Hirten an der Krippe erzählt, bewegt seit zwei Jahrhunderten jedes Jahr tausende Menschen.

Es ist 10:30 Uhr, und auch nach all den Jahren bin ich immer noch erstaunt über die doppelte Wendeltreppe zum Chorraum der gotischen St.-Jakobs-Kirche in Brünn, die einfach im Raum zu schweben scheint. Stufe für Stufe steige ich demütig zur Empore hinauf und eine Schar von Musikern folgt mir: Auch heute werden wir wieder zahlreich vertreten sein, in zwei Chören mit insgesamt 80 Sängern und im Orchester mit 30 Instrumentalisten.

Nach einem kurzen Einsingen blicken wir von der Chorempore aus still auf hunderte Menschen, die für Musik und Wort zum Haus des Herrn gekommen sind und schon im gesamten Kirchenraum zusammenrücken. Manche kommen regelmäßig, andere nur einmal im Jahr. „Wo ist unser Glaube, was auch immer er ist, geblieben?“, denke ich mir.

In diesem Moment läutet die Glocke bei der Sakristei dreimal laut und das majestätische Fortissimo der dröhnenden Orgel reißt mich aus meinen Gedanken. Es ist 11 Uhr! Wir sind gleich dran! Die schönste Zeit des Jahres ist da! Alles, was ich tun muss, ist, meine Hände für den ersten Auftakt zu heben, und die ersten Töne der Hirtenmesse erklingen: „Meister, auf! Schau hinauf! Mitten in der Nacht ist ein Licht erwacht, strahlend hüllt sein Schein Erd’ und Himmel ein.“

Veselé Vánoce!
Frohe Weihnachten!

Frankreich (Elsass)

von Julie Erhart

Im Elsass beginnt die Weihnachtszeit Ende November mit einem der bekanntesten Weihnachtsmärkte, dem Christkindelsmärik: in Straßburg (der Name kommt aus dem Elsässischen). Für alle Straßburger heißt das zum einen „endlich wieder zauberhafte Beleuchtungen und Dekorationen, Glühweinduft und Crêpes“, zum anderen aber auch „die Stadt wird von Touristen überrannt!“.

Zu Hause ist es nun an der Zeit Plätzchen – im Elsass Bredele genannt – zu backen. Meine Mutter und ich backen verschiedene, traditionelle Sorten, während mein Vater ein Feuer im offenen Kamin entfacht und dort für uns Maroni röstet. Dabei hören wir unsere Weihnachts-CDs mit allen Klassikern: „Vive le vent“, „Noël blanc“, „Mon beau sapin“…

Die größte Freude kommt natürlich am 24. Dezember! Wir genießen alle zusammen einen Apéritif vor dem Kamin, bis es plötzlich an der Tür klingelt. Der Père Noël ist da und bringt die Geschenke. Die Kinder sind sehr aufgeregt und bis nach dem Essen zu warten kommt nicht in Frage, es muss alles sofort ausgepackt werden! Nach einem Festmahl gehen wir zur Mitternachtsmesse und danach meistens bald ins Bett, weil es am nächsten Tag weitergeht.

Am 25. Dezember kommt der Rest der Familie. Das ist auch etwas ganz Besonderes, da wir uns alle zusammen nur an Weihnachten sehen können! Das Menü steht jedes Jahr fest und man muss dafür großen Hunger mitbringen. Wir beginnen mit der ersten Vorspeise, die aus Austern und selbstgeräuchertem Lachs besteht. Die zweite Vorspeise ist Bûche de Noël (Kuchen in Form eines Holzscheites). Natürlich wird jeder Gang vom passenden Wein begleitet. Dieses Festmahl geht über mehrere Stunden und verlangt den Teilnehmern alles ab – und doch treten jedes Jahr alle wieder gerne an!

Seit vier Jahren verbringe ich Weihnachten auch in Deutschland. Ich mag, dass die Musik einen so wichtigen Platz bei der Feier einnimmt und bin immer sehr berührt, wenn wir alle vor dem Tannenbaum die klassischen Weihnachtslieder singen oder am Ende der Christmette, wenn „Stille Nacht, heilige Nacht“ erklingt und nur Kerzen die Kirche beleuchten.

Jetzt bin ich ziemlich in Weihnachtsstimmung gekommen und freue mich schon sehr auf die nächsten Wochen, ich hoffe Sie sich auch!

Joyeux Noël à toutes et à tous !
Frohe Weihnachten euch allen!

Polen

von Katharina Uziel

In Polen ist Weihnachten ein Fest, das mit sehr vielen Traditionen verbunden ist, die in den Familien mit großer Hingabe und Liebe zum Detail praktiziert werden. Gehegt und gepflegt werden die polnischen Weihnachtstraditionen besonders intensiv von Menschen, die ausgewandert sind, wie es in meiner Familie der Fall ist.

So tönen die traditionellen polnischen Weihnachtslieder (kolędy) bereits am Morgen des 24. Dezember im Haus meiner Eltern aus der Musikanlage. Alle sind sehr damit beschäftigt, das traditionelle Essen für Heiligabend (wigilia) vorzubereiten, das sich in ganz Polen aus relativ ähnlichen Speisen zusammensetzt. Es gibt die Tradition, dass das Essen an Heiligabend aus zwölf Speisen bestehen soll, aber das wird nicht in allen Familien so streng praktiziert.

Es gibt polnische Rote-Beete-Suppe ( Barszcz), Karpfen, Sauerkraut und als Nachspeise Makówki, eine polnische Mohnspeise. Fleisch ist in Polen an Heiligabend undenkbar, denn offiziell ist es ein Tag des Fastens. Heiligabend ist neben den Lehren der katholischen Kirche in Polen mit viel Volksglauben verbunden: So steht auf dem Tisch traditionell immer ein extra Gedeck für unerwartete Gäste bereit. Dieses Gedeck ist gleichzeitig ein Symbol für das Gedenken an einsame Menschen und verstorbene Familienmitglieder.

Offiziell beginnt der Heilige Abend, sobald der erste Stern am Himmel zu sehen ist. Dann wird die Stimmung besinnlich und feierlich. Vor dem Essen teilt die Familie am Tisch eine gesegnete Oblate, und man wünscht sich gegenseitig frohe Weihnachten. Zugleich wünscht man damit, dass es keine Streitigkeiten zwischen den Familienmitgliedern geben soll. Und wenn doch, so werden diese verziehen, damit man in Frieden gemeinsam am Tisch sitzt.

Nach dem Essen geht es an die Geschenke, die schon unter dem geschmückten Weihnachtsbaum warten. Dazu macht man es sich mit einem Wein und Süßigkeiten gemütlich. Und während ein Teil der Familie zur nächtlichen Christmette aufbricht, räumt der Rest von uns das Schlachtfeld in der Küche auf und wartet bis Mitternacht, um ein paar Worte mit den Katzen (!) der Familie zu wechseln – denn laut polnischem Volksglauben sprechen Tiere an Heiligabend um Mitternacht mit ihren Menschen. Die folgenden beiden Weihnachtstage verbringen wir, wie die meisten, mit Besuchen von Verwandten und Freunden, sehr viel Essen und guten Weinen.

Życzymy zdrowych i wesołych Świąt Bożego Narodzenia i szczęśliwego Nowego Roku!
Wir wünschen gesunde und frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr!

Niederlande

von Maarten Reumkens

Der Tag nach dem Sinterklaas-Abend (6. Dezember) hieß für uns früher: Endlich wird der Weihnachtsbaum aufgestellt! Dieser Moment war für uns der Beginn der wundervollen Weihnachtszeit.

Jetzt, da wir Kinder alle erwachsen sind, muss der Baum bei uns nicht mehr am Nikolaustag aufgestellt werden, doch immer noch macht Anfang Dezember die herbstliche Dekoration Platz für die ersten adventlichen Lichter. Die Adventszeit geht meist unbemerkt an mir vorbei, wenn ich aber zu meinen Eltern gehe und den geschmückten Weihnachtsbaum sehe, ist es, als wäre ich wieder Kind, und so komme ich langsam in Weihnachtsstimmung.

In den Wochen vor Weihnachten wird regelmäßig heimlich kommuniziert, damit die Wunschlisten aufeinander abgestimmt werden und jeder (neben den schon bekannten Geschenken) auch eine Überraschung unter den Baum gelegt bekommt.

An Heiligabend ist es Familientradition, mit unserem Fanfarenorchester während der Abendmesse zu musizieren. Es liegt immer eine besondere Spannung in der Luft, wenn die erste Klänge des Orchesters die übervolle Parochialkirche füllen. Erst wenn am Ende der Messe „Stille Nacht“ leise erklingt, hat Weihnachten richtig angefangen.

Bei der Heimkehr wartet traditionell ein großer Teller mit allerlei Süßigkeiten und Schokolade auf alle – ein Moment, den ich immer noch jedes Jahr genieße! Die Zeit ist gekommen, sich gemeinsam an den Baum zu setzen und die Geschenke zu verteilen. Und draußen hört man gelegentlich die leisen Klänge von Musikern, die in der Ferne die geweihte Nacht mit traditioneller Musik segnen...

Vrolijk Kerstfeest!
Frohe Weihnachten!

Spanien (Baskenland)

von Irene Urrutia Martín

Es ist der 24. Dezember in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bilbao. Am Nachmittag machen wir uns bereit, um den Olentzero zu sehen. Nichts fehlt, weder die Kostüme, noch die Abarkak (traditionelle Trachtenschuhe), noch das Tuch im Haar. Es ist kalt und wir müssen einen Pullover und eine Jacke anziehen, um die Olentzero-Parade sehen zu können, die mit einem von Ochsen gezogenen Wagen durch die Straßen des Dorfes zieht und Süßigkeiten verteilt.

Es riecht nach gerösteten Kastanien von den Straßenständen, und wenn man eine Handvoll kauft, kann man sich die Hände wärmen. Während der Parade versuchen wir, so viele Süßigkeiten wie möglich zu sammeln, während wir die typischen Lieder wie „Olentzero joan zaigu“ oder „Hator, Hator“ hören. Außerdem bereiten wir uns darauf vor, dem Olentzero zu erzählen, dass wir dieses Jahr brav waren, damit er uns viele Geschenke bringt.

Es ist merkwürdig, wie diese traditionelle Figur zu einer Art baskischem Weihnachtsmann geworden ist. Denn Tatsache ist, dass Olentzero im Gegensatz zu anderen Vertretern des Weihnachtsfestes wie dem Weihnachtsmann, dem Christkind oder den Heiligen Drei Königen nichts ‚Göttliches‘ oder ‚Zauberhaftes‘ an sich hat. Er war ein einfacher, nicht sehr netter, dafür ständig betrunkener, saufender Bauer, der um die Zeit der Wintersonnenwende Kohle aus den Bergen ins Dorf brachte.

Das Fest der Wintersonnenwende, bei dem die Menschen von den Bauernhöfen in die Stadt kommen, um lokale Produkte und Nutztiere zu verkaufen, ist im Baskenland immer noch präsent und wird am Tag von Santo Tomás (21. Dezember) gefeiert, an dem man typischerweise Talo mit Txistorra (baskisches Brot mit baskischer Wurst) mit Txakoli (baskischem Weißwein) und gerösteten Kastanien isst.

Auf diese Weise wird deutlich, wie sich die Tradition, die Olentzero ursprünglich als Trinker und Vielfraß darstellte, unter dem Einfluss der Religion und der Konsumgesellschaft an unsere Zeit anpasste und aus Olentzero eine gutmütige Figur machte, die kommt, um die Geburt Christi zu verkünden und Geschenke zu verteilen.

Eguberri on!
Frohe Weihnachten!

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