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Trompete lernen – 20 Fragen an Kristin Thielemann

(21.04.2021)

Kristin Thielemann

Kristin Thielemann hat mit sechs Jahren angefangen, Trompete zu lernen.

Sie hält Vorträge und ist gefragte Dozentin auf Fortbildungen für Hochschulen, Universitäten und Musikschulen und moderiert den Podcast „Voll motiviert“ von Schott Music. ...

VORAUSSETZUNGEN


Was ist das perfekte Einstiegsalter?

Trompete spielen können schon Kinder im frühen Grundschulalter oder sogar davor. In der Regel kommen Anfänger ab 8 – 9 Jahren sehr leicht und schnell voran.

Muss ich Noten lesen lernen?

Vorweg – Noten lesen ist kinderleicht und macht viel Freude. Es eröffnet tolle Möglichkeiten, sich selbst die Welt der Musik zu erschließen. In manchen Trompetenschulen wird zu Beginn mit einer grafischen Notation gearbeitet. Es ist aber nicht üblich, dies länger beizubehalten oder gar längere Zeit nach Griffen oder Farben zu spielen.

Gibt es Instrumente, die auf dieselbe Art gespielt werden?

Wer Trompete spielt, wird schnell feststellen, dass es hier eine Fülle von tollen Instrumenten gibt: Trompeten in verschiedenen Stimmungen und Größen ermöglichen unterschiedliche Klangfarben und Tonhöhen.

Zudem gibt es neben den häufig genutzten Instrumenten mit Pumpventilen (Périnetventile) auch Modelle mit Drehventilen, die etwas orchestraler klingen. Auch verschiedene Dämpfer bieten spannende Möglichkeiten, den Sound zu verändern. Zudem gibt es das etwas weicher klingende Kornett, welches wegen seiner kompakten Bauweise häufig als Einstiegsinstrument beim Trompetenunterricht gewählt wird.

Fortgeschrittene Spieler können sich durchaus einmal an eine Barocktrompete oder Klappentrompete heranwagen und somit die Geschichte der Trompete hautnah erkunden.

Welche körperlichen Voraussetzungen sind von Vorteil?

Eine gerade Zahnstellung erleichtert das Spielen. Feste Zahnspangen sind ein ganz klares Hindernis! Auch ist ein gesunder Bewegungsapparat – eine stabile Rücken-, Schulter-, Bauch- und Armmuskulatur – wichtig, um Fehlhaltungen vorzubeugen. Falls diese Muskulatur noch nicht weit genug ausgebildet ist, empfehlen manche Pädagogen das Spielen auf Plastiktrompeten, die ein deutlich geringeres Gewicht haben als ein Instrument aus Metall.

Wie erkennt man, ob man für das Instrument bereit ist?

Bevor es an dieser Stelle zu wissenschaftlich wird: Einfach ausprobieren, eine Probestunde nehmen, ein Instrument ausleihen und ein wenig darauf spielen. Wenn Sie oder Ihr Kind die Trompete dann nicht mehr aus Ihren Gedanken herausbekommen, ist Ihr Moment gekommen!


FINANZIELLES


Was kostet das Instrument?

Einsteigermodelle etablierter Firmen gibt es bereits ab etwa 450 €. Wer etwas Hochwertigeres im Anfängerbereich sucht, bekommt für 700 € – 1.000 € sehr gute Instrumente, die sich – entsprechende Pflege vorausgesetzt – durchaus gut weiterverkaufen lassen. Da die Preise von Trompeten im Vergleich zu manch anderen Musikinstrumenten eher niedrig sind, erwerben fortgeschrittene Spieler sehr häufig Profiinstrumente.

Generell gilt, dass Trompeten mit Pumpventilen, auch „Amerikanische Trompeten“ genannt, günstiger sind als die häufig in Handarbeit gefertigten „Deutschen Trompeten“ mit ihren Drehventilen. Aber lassen Sie sich durch die Begriffe „Amerikanisch“ und „Deutsch“ nicht verwirren. Auch deutsche Hersteller produzieren fantastische „Amerikanische Trompeten“!

Gibt es weitere Kosten?

Mit dem häufig im Lieferumfang eines neuen Instruments enthaltenen Trompetenöl und Zugfett kommen Sie je nach Bedarf des Instruments gut und gerne zwei oder mehr Jahre aus. Die Preise für den Nachkauf sind sehr moderat: Für 7 € – 12 € bekommen Sie bereits hochwertiges Trompetenöl und Zugfett und auch deutlich unter 20 € liegt der Preis für ein Reinigungsset für die Trompete, was sehr langlebig ist.

Wie aufwendig ist die Wartung?

Bis zu einem gewissen Punkt können Trompeten sehr gut selbst gereinigt und gepflegt werden. Eine jährliche Pflege beim Instrumentenmacher ist nicht nötig, aber hin und wieder ein Nice-To-Have. Auch sind Reparaturen (beispielsweise das Entfernen einer Beule) finanziell keine große Sache, solange nicht eine Neulackierung hinzukommt.

Vielleicht werden Sie nun lachen, aber das Sensibelste bei der Trompete ist ihr Spieler. Wenn Sie nicht grob fahrlässig mit dem Instrument umgehen (herumwerfen, drüberfahren…) gibt es auch keinen Reparaturbedarf.

Wie wird das Instrument transportiert?

Es gibt Trompetenkoffer und Trompetentaschen. Seit einigen Jahren sind die Koffer vieler Anfängerinstrumente erfreulicherweise mit Rucksackgurten ausgestattet, was das Tragen erleichtert. Auch stabile Trompetenkoffer für Profis, in denen je nach Modell bis zu vier Trompeten Platz finden, haben häufig eine Rucksackgarnitur.

In Trompetenkoffern findet sich meist ein Fach, in dem Noten knitterfrei aufbewahrt und transportiert werden können. Trompetentaschen sind weicher und oft sehr viel leichter vom Gewicht. Es gibt sie zum Umhängen oder auch als Rucksack. Je nach Modell finden auch Noten hier ihren Platz.

Bei einem Sturz (beispielsweise mit dem Fahrrad) hat natürlich das Instrument im Koffer die Nase vorn, trotzdem nutze ich für mich persönlich wegen der Leichtigkeit lieber Trompetenrucksäcke.


ÜBUNG MACHT DEN MEISTER


Kann man sich das Instrument selbst beibringen?

Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass man das Trompetespielen bis zu einem gewissen Punkt selbstständig erlernen kann. Eine wirklich solide Technik, eine tadellose Haltung und Fortschritte, die Sie oder Ihr Kind langfristig motivieren, garantiert aber nur der Unterricht bei einer ausgebildeten Lehrkraft.

Wie wählt man passendes Übungsmaterial aus?

Auch hier gilt: Vertrauen Sie der Lehrkraft! Ihr Trompetenlehrer kennt eine Fülle von geeignetem Material für jedes Niveau. Auch Online-Notenshops oder Musikalienhandlungen haben viel geeignetes Material im Sortiment und bieten Ihnen Hilfestellung bei der Suche. Meistens arbeiten Trompetenpädagogen mit einer Instrumentalschule.

Wenn Sie sich selbst oder Ihrem Trompete spielenden Kind eine Freude machen wollen, schaffen Sie ein oder mehrere Spielhefte an, die oft mit Playalongs ausgestattet sind und so hervorragende Möglichkeiten bieten, selbständig auf Entdeckungsreise zu gehen.

Wie kann man üben, ohne andere zu stören?

Wenn Sie oder Ihr Kind schön spielen, werden Ihre Nachbarn das genießen! Auch gibt es Übedämpfer, die genutzt werden können, wenn es wirklich ruhig sein soll. Allerdings kenne ich wenige Profimusiker oder Fortgeschrittene, die dauerhaft und ausschließlich mit Übedämpfern spielen. Wer sehr heikle Nachbarn hat, dem muss man ehrlicherweise sagen, dass er mit einem anderen Instrument besser beraten wäre!

Welche unterschiedlichen Spieltechniken gibt es?

Es gibt tolle Möglichkeiten mittels verändertem Luftfluss oder Anstoß die Töne zu modifizieren. Auch nützliche Fähigkeiten wie Doppel- und Triolenzunge sowie Flatterzunge, mit denen besonders effektiv schnelle Tonbewegungen angeblasen werden können, machen viel Freude.

Wann kann man mit ersten Erfolgen rechnen?

Schon nach einigen wenigen Wochen werden Sie kleine Stücke spielen können. Wer regelmäßig und fleißig übt, kann nach etwa einem Jahr (oder sogar schon vorher) sehr gut mit anderen zusammen musizieren oder auch leichtere Stücke solistisch oder mit Klavierbegleitung vortragen.


Noten zum Einstieg


UND DANN...


Was sind beliebte Stücke für das erste Vorspiel?

Die drei Bände Easy Concert Pieces für Trompete und Klavier stürmen gerade die Hitlisten der Schülervorspiele und stehen auch bei Wettbewerben sehr häufig auf dem Programm. Sie glänzen durch ihre Vielfalt mit Ohrwürmern vom Barock bis zu Pop, Rock und Jazz.

Diese drei Hefte enthalten zusätzlich zur Trompeten- und Klavierstimme jeweils eine Klangaufnahme mit der Klavierbegleitung zum Mitspielen, aber auch eine Demo-Version aller Werke, eingespielt von einem tollen Instrumentalisten.

Was sind die Klassiker und was ist Dein Lieblingsstück?

Der Klassiker überhaupt ist das Trompetenkonzert von Joseph Haydn. Es ist auch eines meiner ganz persönlichen Lieblingsstücke für die Trompete.

Welches Stück macht richtig Lust auf das Instrument?

Da die Trompete so vielfältig ist und von Barock bis zu zeitgenössischer klassischer Musik, Pop, Rock, Jazz, Volksmusik, im Orchester, Ensemble, in der Band oder solistisch eingesetzt wird, gibt es für mich nicht das eine Stück. Ich kann mir aber vorstellen, dass Sie Aufnahmen des Blechbläserensembles German Brass sehr beeindrucken und ein gutes Abbild der vielfältigen Möglichkeiten bieten, die man mit der Trompete hat. Auf dem YouTube-Kanal German Brass finden Sie viele ausgezeichnete Videos.

Wie kann man mit anderen gemeinsam musizieren?

Mit der Trompete entscheiden Sie sich wirklich für den Allrounder unter den Instrumenten. Ob solistisch, im Duo, Trio oder begleitet von Orgel oder Klavier, im kleinen bis großen Blechbläserensemble, in Volksmusikgruppen, der Polka-Band oder dem Blasorchester, einer Brassband oder dem Posaunenchor, einem Schulorchester, der Bigband, Sinfonie- oder Opernorchester – mit der Trompete ist man einfach überall goldrichtig.

So kann sich der Lernweg auch sehr individuell, flexibel und vielfältig gestalten, was wir Trompeter als einen wahren Schatz erleben. Mit einer Trompete ist das Leben einfach immer spannend!

Welche Funktion erfüllt das Instrument in Ensembles?

Aufgrund der Vielfalt ist eine pauschale Antwort unmöglich. Generell kann man aber sagen, dass, wenn die Trompete einsetzt, die Musik oft majestätisch und beeindruckend wird. Der Trompetenklang verleiht der Musik einen besonderen Glanz und ein wunderbares Strahlen.

Gibt es Klischees zum Instrument und seinen Spielern?

Früher hatten Trompeter den Ruf, sehr trinkfest zu sein. Ich glaube, die Trompete hilft Menschen, etwas sehr Wertvolles zu entdecken: Offenheit und Geradlinigkeit. Denn wenn wir ins Instrument hineinspielen, muss das sehr offen und mit einem guten Luftstrom passieren, den wir ganz tief aus uns herauslassen. Nur dann klingt es gut.

Wenn ein falscher Ton erst einmal ‚unterwegs‘ zum Publikum ist, dann ist das nicht ‚wegzumauscheln‘ oder zu vertuschen – wir müssen dazu stehen. Ich spüre immer wieder, dass es Schülern gut tut, dieses ‚Sprachrohr‘ Trompete in der Hand zu halten, die Musik und die großen Töne aus sich selbst herauszulassen und die Erfahrung zu machen, dass es lohnenswert ist, sich etwas zu trauen.

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