BandLab, ein kostenloses Tool zum Aufnehmen

Und wie Chorleiter es auch anders nutzen können

von Alex Chepa (20.05.2021)

Mit dem kostenlosen Online-Tool BandLab eröffnen sich spannende Möglichkeiten, Übungen und Aufnahmen für Chöre online bereitzustellen. Gebündelt an einem Ort können alle mitmachen oder bequem daheim üben...

Über BandLab

BandLab ist das Hauptprodukt der BandLab Technologies, die 2015 in Singapur gegründet wurde. Neben anderen digitalen Produkten (z.B. Cakewalk oder BandLab for Education) stellt das Unternehmen mittlerweile auch Hardware im Audio-Bereich her. Heute zählt das Programm BandLab über 30 Millionen Nutzer.

Monatelang durften Chöre nicht mehr zusammenkommen und proben. Gleichzeitig verlagert sich unser Alltag, vor allem im Beruf, immer weiter ins Netz. Braucht es jetzt auch noch für die musikalische Freizeitgestaltung neue und mehr Web-Tools? Geht es beim Chorsingen nicht vor allem um das gemeinsame Erleben von Musik und Geselligkeit?

Vor diesen Fragen stehen derzeit alle Chöre und Chorleiter. Dennoch möchten wir Ihnen ein Online-Tool vorstellen, an dem Sie vielleicht auch nach dem Lockdown noch Freude haben werden. Denn Sie können damit nicht nur Ihren Chor aufnehmen, sondern auch bequem Übungen erstellen, die dann jederzeit online abrufbar bleiben.

Was ist BandLab?

BandLab ist ein Programm zur Musikproduktion, ähnlich wie die Garageband von Apple, nur online in der Cloud, sodass beliebig viele Personen auf dasselbe Projekt zugreifen können. Sie können damit Tonspuren anlegen und aufnehmen, über MIDI ein Keyboard oder anderes Equipment anschließen, eine passable Reihe an Software-Instrumenten, allerlei Effekte und sogar Samples und Loops aus einer Bibliothek verwenden. BandLab kann schneiden, kopieren, verschieben, loopen und eigentlich alles, was so eine kompakte Recording- und Produktionssoftware eben können sollte. Der Funktionsumfang ist überschaubar genug, um Einsteiger nicht völlig zu überfordern, und beachtlich genug, um erfahrenen Producern einiges an kreativem Freiraum zu lassen.

Die Benutzeroberfläche

Das Erscheinungsbild von BandLab ist sehr übersichtlich und visuell ansprechend gestaltet. Sie finden sofort ein Metronom und können die Zeitanzeige zwischen Sekunden/Minuten und Takten/Zählzeiten umschalten. Die Rasterung lässt sich bis auf 32tel-Noten verfeinern, sodass Objekte in den Spuren darin einrasten, was absolut präzises Schneiden, Verschieben und Kopieren ermöglicht.

Ein praktisches Detail ist, dass Sie einen Songtext, der mit einem Klick auf „Lyrics/Notes“ erscheint, direkt im Projekt hinterlegen können. Insgesamt kann man sagen, dass es Spaß macht, sich in BandLab zu bewegen und zu arbeiten.

Zur Tat

Die erste Idee, die Chorleitern kommen mag, ist, ein Stück Stimme für Stimme einzusingen und die Sänger einzuladen, ihre eigenen Stimmen dazu zu singen. Und tatsächlich lässt sich solch ein Projekt in BandLab mit ein wenig Aufwand gut realisieren.

Der wunderbare Vorteil ist hier gegenüber einer Live-Chorprobe, dass die Singenden selbst entscheiden können, wie laut sie welche Stimme hören möchten, während sie mit Kopfhörern ausgestattet vor ihren Computern sitzen und ihren eigenen Part einsingen/üben.

Noch besser funktioniert dies, wenn zusätzlich eine Spur mit einer Gesamtaufnahme als Downmix (alle Stimmen auf eine Spur reduziert) angelegt wird, sodass eine Altistin zum Beispiel schnell den Chor auf geringe Lautstärke und die Alt-Stimme (die ja zusätzlich als Einzelstimme in einer eigenen Spur vorliegt) deutlich lauter regeln kann, während sie ihre eigene Stimme auf eine leere Spur einsingt. Ein so vorbereitetes Projekt bestünde für den Standardchor (Sopran, Alt, Tenor und Bass) also zunächst aus fünf Tonspuren: SATB und Chor-Gesamt.

Technische Grenzen

Größere Ensembles stoßen hier schnell an eine Grenze, die sich allerdings umgehen lässt. In einem Projekt können gleichzeitig nur 16 Spuren angelegt sein. Wenn diese voll sind, müssten bereits fertige Tonspuren heruntergeladen und gesammelt werden, um wieder Platz im BandLab-Projekt zu schaffen. Ein pfiffigerer Weg ist daher, dasselbe Projekt gleich viermal anzulegen – für jede Stimmgruppe einmal. So hat man in jedem Projekt nur noch zwei vorgegebene Spuren (z. B. Tenor und Chor-Gesamt) und es bleiben 14 Spuren für die Aufnahmen der Tenöre übrig.

Eine weitere Einschränkung von BandLab ist, dass ein Projekt nicht länger als 15 Minuten sein kann. Für die meisten Chorstücke sollte das jedoch ausreichend sein. (Übrigens: Für sehr lange klassische Werke mit Chor gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Singalongs, zum Beispiel die Carus Choir Coach-Reihe.)

Die Betreuung

Als Chorleiter ist es gut, den Überblick über die Projekte zu behalten und die Singenden zu begleiten, denn es tauchen doch immer wieder kleinere und größere technische Hürden auf. So besitzt nicht jeder einen Laptop mit internem Mikro, das reibungslos von BandLab erkannt wird. Schwierig wird die Aufnahme auch mit Bluetooth-Headsets. Über Bluetooth ergeben sich Verzögerungen (Latenzen) beim Aufnehmen, die sehr verwirrend sein können und zu seltsamen Ergebnissen führen.

Zwar besitzt BandLab eine Latenz-Korrektur, die mit einem Piepton die Verzögerung ausmisst und beim Aufnehmen und Abspielen entsprechend ausgleicht, doch in der Praxis führen zum Beispiel Kombinationen aus einem USB-Mikrofon mit einem Bluetooth-Kopfhörer dann doch zu Latenzschwierigkeiten. Hier empfiehlt es sich, einfache Kopfhörer mit Kabel zu verwenden. Wenn die Aufnahme besonders gut und klar klingen soll, sind die internen Mikrofone vieler Notebooks auch nicht die erste Wahl. Field Recorder mit USB-Anschluss (wie die beliebten und vergleichsweise günstigen ZOOM-Aufnahmegeräte) oder ein richtiges Interface mit Mikrofon führen zu deutlich besseren Ergebnissen.

Die liebe Technik…

Eine gewisse Affinität zu Technik kann hilfreich sein, um das eine oder andere Problemchen lösen zu können, wenn man einen ganzen Chor online mit BandLab aufnehmen will. Die Möglichkeit besteht durchaus, aber die Aufnahme wird erst so richtig zum Erfolg, wenn eben alle mitziehen. Alle Sängerinnen und Sänger benötigen z. B. einen Account und den richtigen Browser (Chrome und Firefox werden offenbar unterstützt, Safari zum Beispiel nicht).

Sich trauen

Hinzu kommt noch eine psychologische Barriere, die in manchen Chören präsenter sein dürfte als in anderen… „Können die anderen Chormitglieder dann hören, was ich aufgenommen habe?“„Ja, sie können!“ Mit dieser Vorstellung fühlen sich nicht alle Sänger wohl. Da ist behutsame Motivation und Einfühlungsvermögen seitens der Chorleitung gefragt.

Übungen online stellen

Aaaber – auch wenn eine solche Aufnahme nicht für jedes Ensemble das Richtige sein mag – es bieten sich doch noch mehr Möglichkeiten für Chorleiter und auch andere Musikschaffende, denn BandLab ist auch als Education Tool gedacht. Musiklehrer können Aufgaben an Schüler vergeben, Band-Projekte betreuen, musikalische Ziele setzen und sogar Leistungen bewerten. Chorleiter werden diese zahlreichen Möglichkeiten in der Regel etwas weniger brauchen, aber auch sie können davon profitieren und ihre Chorproben vielleicht auf ein neues Level heben. Warm-Ups für Chor vorbereiten, schwierige Texte in verschiedenen Tempi einsprechen, herausfordernde Passagen oder ganze Stücke einsingen – mit allen Stimmen zum Nachhören und zu Hause Üben, das sind nur einige der vielfältigen Möglichkeiten.

Es können auch mit einem schlichten Synthesizer- oder Klaviersound eine Melodie oder ein paar Akkorde eingespielt, die Spur mehrfach kopiert und dann bequem zum Beispiel in Halbtonschritten transponiert werden. So können Sie schnell eine Übung chromatisch auf- oder abwärts über eine Oktave oder mehr verteilen.

Um eigene MIDI-Instrumenten-Spuren aufzunehmen, braucht es noch nicht einmal ein MIDI-Keyboard. Sie können z.B. über die Computertastatur einfache Melodien in Echtzeit einspielen oder „step by step“ mit der Maus eingeben. Alle Töne können „quantisiert“, also automatisch in dem gewählten Raster (Viertel, Achtel, Sechzehntel…, duolisch oder triolisch) zurechtgerückt oder mit der Maus hin- und hergeschoben werden, falls Sie sich bei der Aufnahme verspielt haben sollten. Ein Doppelklick auf die MIDI-Instrumenten-Spur öffnet die sogenannte „Pianorolle“, in der grafisch alle Töne neben einer Klaviatur angeordnet stehen und bearbeitet werden können.

Ausprobieren

Auch wenn wir bald wieder gemeinsam singen dürfen, sind solche Möglichkeiten der digitalen Musikproduktion erstmals kostenlos, leicht zugänglich und online verfügbar. Mit Kreativität und ein wenig Tüftelei können Chorleiter damit ganz individuelle Angebote für ihre Ensembles online bereitstellen.

Die Macher von BandLab haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Das Tool läuft stabil, es gibt zahlreiche Videos und Texte im Hilfebereich sowie eine Community, die hilft, die meisten Probleme zu lösen. Und das alles gibt es kostenlos!

Wenn wir Sie neugierig gemacht haben, dann schauen Sie einfach auf https://www.bandlab.com/ vorbei und probieren es selbst aus.