Mit Viera Blech im eigenen Wohnzimmer spielen

von Alex Chepa (11.06.2021)

Seit 15 Jahren begeistern Viera Blech die europäische Blasmusik-Welt. Die inzwischen auf sechs Blechblas-Akrobaten und einen Schlagzeuger angewachsene Formation aus Tirol um ihren Leiter, Mitbegründer und Drummer Martin Scharnagl hat im Musikverlag Rundel ein Playalong-Heft mit fünfzehn ihrer bekanntesten Klassiker herausgegeben.

Es gibt je eine Ausgabe für das hohe Blech (Trompete/Flügelhorn), Tenor-Blech (Posaune/Bariton/Tenorhorn) und für Tuba. Tenor- und Tuba-Stimme sind alternativ in Bb (Violinschlüssel) und in C (Bassschlüssel) erhältlich. Für das Spielen im Ensemble sind die Hefte also nicht gedacht. Das ist auch nicht nötig, da man dank der beigelegten CD und der online verfügbaren Aufnahmen jederzeit und überall die Jungs von Viera Blech als Spielpartner dabei hat, die die jeweils fehlenden Stimmen samt Schlagzeug übernehmen.

Unser Social Media-Manager Alex Chepa, selbst Tubist und Tenorhornist, wagt sich mit dem Tenorhorn im Selbstversuch an die Arrangements und berichtet…

Erinnerungen

Es ist eine Weile her, dass ich mit Studienkollegen, in Lederhosen, zu viert, zu siebt oder in größeren Besetzungen, auf Festzeltbühnen gesessen bin und stundenlang, begleitet von einigen Maßkrügen, die Menge unterhalten durfte.

Wir hatten jedes Mal einen Riesenspaß und ich habe damals viel gelernt. Unser erster Trompeter hatte die Blasmusik quasi mit der Muttermilch aufgesogen, ich als Nordlicht hingegen musste erst einmal die richtige Phrasierung und den richtigen Groove verstehen. Böhmisch, mährisch, weder duolisch, noch triolisch, Marsch, Polka, Walzer – all das will gekonnt sein.

Wenn es dann einmal läuft, kann man sich dem Zauber der Blasmusik nicht mehr entziehen. Melodien mit Schmelz, technisch anspruchsvolle Stücke in waghalsigem Tempo, energiegeladene Trios und ein Publikum, das früher oder später mitsingend auf den Tischen steht und die „Vogelwiese” zelebriert, als wäre es das Letzte, was es noch vorhat!

Viera Blech gehörten damals schon zu unseren großen Vorbildern. Die Jungs aus Tirol haben einfach Spitzenklasse abgeliefert, und ihr Hit „Von Freund zu Freund“ gehörte regelmäßig zu unserem Programm. Entsprechend ehrfürchtig stand ich vor der Aufgabe, diese neuen Playalongs anzuspielen, um darüber zu schreiben, wohlwissend, dass ich inzwischen kaum bis gar nicht mehr zum Üben komme. Ein paar Tage Buzzing auf einem Mundstückring und Atem-Training mit dem Breathbuilder mussten als Vorbereitung genügen.

Martin Scharnagl hat viele Stücke von Viera Blech auch für Blasorchester arrangiert:

Aufnahme- und Druckqualität

Also ab in den Proberaum, Handy und Bluetooth-Box ausgepackt, oder (wie man es früher gewohnt war) die CD eingelegt, und los ging’s. Schon mit den ersten Takten wurden Erinnerungen wach und ich hatte das Gefühl, mit einer Truppe und eben nicht allein zu spielen. Die hervorragende Aufnahmequalität der Playalongs liefert einen Sound, der mitreißt und einem beim Intonieren und Artikulieren hilft. Die abgedruckten QR-Codes machen es kinderleicht, die richtige Aufnahme auf Youtube zu finden und abzuspielen, sodass immer nur die eigene Stimme ausgelassen und die restlichen Stimmen zu hören sind. Wer sucht, findet auf dem Youtube-Kanal von Viera Blech auch Aufnahmen mit allen Stimmen.

Gemeinsam mit dem Rundel-Verlag hat Viera Blech hier auf jedes Druck-Detail geachtet. Der Notensatz orientiert sich an typischen Blasorchester-Noten. Sich wiederholende Motive (zum Beispiel Nachschläge über mehrere Takte) sind durchnummeriert, Taktzahlen stehen zu Beginn jeder Zeile und zusätzlich an sinnvollen Abschnitten und Übergängen. Artikulation und Dynamik sind sauber und ausdifferenziert notiert. Stichnoten zum Mitlesen erleichtern die Orientierung und ersetzen langes Pausen-Zählen. Man fühlt sich also sofort heimisch und das Lesen fällt wunderbar leicht. Papier- und Druckqualität sind hervorragend.

Die Musik

Viera Blech bietet seinen Fans mit diesen Playalongs reichlich Abwechslung und gute Laune für die eigenen vier Wände. Von dem packenden Konzertmarsch „Euphoria“ oder bayerischen Stubenmusik-Anklängen in „Moosbeernocken-Boarischer“ über die wunderschöne Pop-Ballade „Song for the Alps“, den Polka-Reggae „A Bavarian Crossover“ bis zu vorwärts treibenden Polkas, schmachtenden Walzern, funky Brass-Pop und einer groovigen Solo-Nummer für versierte F-Tubisten, wird hier alles geboten, was das moderne, alpine Blasmusik-Herz sich nur wünschen kann. Und oben drauf gibt’s die beliebten Klassiker wie „Von Freund zu Freund“, „Ehrenwert“ oder „Düsco Hüt”".

Durch die Bank weg fällt auf, dass Martin Scharnagl, Alois Eberl und Alexander Wartner, aus deren Federn alle Stücke stammen, wissen, wie man effektvoll für Blechbläser schreibt. Was beim Hören spektakulär klingt, erweist sich beim Lesen und Spielen als gut machbar. Die Tonarten sind so gewählt, dass sich angenehme Griffkombinationen ergeben.

Extreme Lagen sind als optionale Stichnoten angegeben und können auch in der Mittellage gespielt werden, ohne dass die Musik darunter leidet. Insgesamt ist es hilfreich, wenn man seinen Arban einigermaßen durchgekaut hat, aber die Anforderungen sind für versierte Blechbläser sehr gut zu meistern.

Spielen, marsch marsch!

Die Stücke machen einfach Spaß, und mit den Jungs von Viera Blech im Ohr mochte ich kaum mit Spielen aufhören! Einzig meine schwächelnde Ansatzmuskulatur hat mich davon abgehalten, nach je einem Durchlauf Tenorhornstimme und Trompetenstimme (man wird ja auch als Tenorist mal dürfen…) das ganze Heft nicht gleich noch einmal von vorn zu beginnen.

Was will man mehr? Gute Musik, tolle Aufnahmen, perfekt gesetzte Noten – absolute Empfehlung!

Alle Ausgaben von Viera Blech – Playalong

Viera Blech – Play Along: Trompete/Flügelhorn in Bb
Trompete/Flügelhorn in Bb
Viera Blech – Play Along: Tenorhorn/Bariton/Posaune in Bb
Tenorhorn/Bariton/Pos. Bb
Viera Blech – Play Along: Bariton/Euph/Posaune in C
Bariton/Euphonium/Pos. C
Viera Blech – Play Along: Tuba in Bb
Tuba in Bb
Viera Blech – Play Along: Tuba in C
Tuba in C