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One Hand Piano – Leichte Klavierstücke für links oder rechts

von David Rauh (13.08.2021)

Was tun Pianisten, wenn eine Hand wegen einer Verletzung vorübergehend nicht eingesetzt werden kann? Barbara Arens hat für diesen Fall die Klaviersammlung One Hand Piano entworfen, die leichte bis mittelschwere Charakterstücke für rechte oder linke Hand allein bereithält. Das Stretta Journal verschafft einen Überblick.

Leichte Klavierstücke für links oder rechts

Verstauchte Finger. Ausgerenkte Schultern. Sehnenscheidenentzündung. Verletzungen wie diese sind unter Musikern gefürchtet, denn das bedeutet, dass das Musizieren eine Pause machen muss... oder doch nicht?

Zumindest Pianisten haben es gut, denn sie können auch mit nur einer Hand vergleichbar schöne Musik produzieren wie mit zwei Händen. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Werken nur für eine – meist die linke – Hand. Vorangetrieben wurde diese Kompositionstradition vor allem durch den Pianisten Paul Wittgenstein, der im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verlor. Doch für Anfänger sind diese Stücke meist zu anspruchsvoll. Dagegen gibt es für die rechte Hand allein nur wenige Stücke, die über den absoluten Anfängerunterricht hinausgehen.

Diese Lücke erkannte die Klavierpädagogin Barbara Arens und sie entwarf One Hand Piano: 40 leichte bis mittelschwere Klavierstücke für nur eine Hand – links oder rechts! Schauen wir uns die Sammlung, die 2015 im Verlag Breitkopf & Härtel erschienen ist, genauer an.

Von leicht bis mittelschwer

Der Schwierigkeitsgrad der meisten Eigenkompositionen richtet sich an Klavieranfänger, die sich im gesamten Tonraum des Klaviers zurechtfinden und mit dem Pedal umgehen können. Falls sie mit dem einen oder anderen Aspekt noch Schwierigkeiten haben, lernen Anfänger sie mit diesem Band besser zu meistern. Dazu wird häufig das zweistimmige Denken in einer Hand gefördert.

Die Stücke im Sammelband werden erkennbar schwieriger; die hinteren richten sich klar an etwas fortgeschrittenere Pianisten. Vor allem die letzten vier verlangen einiges an Geschick, um die richtigen Betonungen herauszuarbeiten. Dafür wird man mit wirkungsvollen Bearbeitungen zweier Hits belohnt: „Somewhere Over the Rainbow“ im Barpiano-Stil und „Mein kleiner grüner Kaktus“. Den krönenden Abschluss bilden fast originalgetreue Übertragungen von Stücken Johann Sebastian Bachs, das „Andante“ aus der 2. Violinsonate und das „Prélude“ aus der 1. Cellosuite.

Rechts oder links?

Bei jedem Stück wird angezeigt, für welche Hand es konzipiert ist. Der Fokus liegt mehr auf der rechten – 15 sind nur für sie vorgesehen. Für die Linke solo gibt es 8 Stücke. Die restlichen 17 können jeweils mit einer der beiden Hände gespielt werden. Das erlaubt einen flexiblen Umgang mit dem Heft: Egal, welche Hand benutzt werden soll, es stehen für beide genügend Stücke zur Auswahl.

Doch diese Angaben lassen sich auch mehr als Empfehlung verstehen. Viele der Stücke, die nur für eine bestimmte Hand komponiert sind, können auch mit der anderen ausgeführt werden, sie fühlen sich vielleicht nur ein wenig unbequemer an. „Des Engels Lied“ liegt z. B. auch gut in der Linken, obwohl eigentlich nur die Rechte vorgesehen ist.

Nur wenige Stücke für eine spezifische Hand scheinen für die andere aufgrund der Bewegungsrichtung („Gälisches Lied“) oder Lage („Toledo“) eher ungeeignet zu sein. Dafür liegen alle Stücke, die die Wahl offen lassen, wirklich gut in beiden Händen.

Ausführliche Fingersätze helfen Anfängern, gute Positionen auf der Klaviatur zu finden. Nur falls man, entgegen einer Empfehlung für eine Hand, das Stück mit der anderen üben wollte, müsste man einen geeigneten Fingersatz selbst herausfinden.

Kreative Vielfalt

Stilistisch wechselt One Hand Piano zwischen Blues („Black ‘n’ Blue“, „Stadtbummel mit links“), Klassik („Sorgenloser Walzer“, „Ballade“), Filmmusik („Sehr trauriges Lied“, „Hommage à A. H.“) und Volksliedern („Scarborough Fair“, „The Drunken Sailor“).

Einige der Lieder sind auch zum Mitsingen gedacht. „Cowboy Duck“ sticht dabei hervor, da man hier eine rhythmisch verfremdete Variante von „Alle meine Entchen“ singen soll, während eine Hand die Klavierbegleitung übernimmt.

Das Buch strotzt nur so vor weiteren kreativen Ideen, die gerade Kindern gefallen könnten. Z. B. wird in „Tollpatsch-Cha-Cha-Cha” die fehlende Hand thematisiert, indem die tiefen Töne mit einem anderen Körperteil (Nase, Ellenbogen, Kinn, Zeh) gespielt werden sollen. „Lied des Dschungels“ und „Nicht ganz brav“ nutzen den Klavierdeckel als Percussion-Element. Erwachsene können aber auch ihren Spaß mit dem Heft haben, denn die Aufmachung ist nicht besonders auf Kinder abgestimmt.

Nicht nur für pianistische Krisenzeiten

One Hand Piano ist eine wunderbare Ergänzung zum Klavierunterricht, wenn eine Hand einmal nicht verwendbar sein sollte. Aber auch ohne Verletzung kann man das Heft wunderbar nutzen, um über abwechslungsreiche Stücke eine Hand bewusst zu trainieren und dabei sein Ausdrucksrepertoire zu erweitern.

One Hand Piano – 40 Stücke für links oder rechts

Wer sich noch einen vertieften Eindruck von der Vielfalt der Musik machen möchte, hört sich am besten die weiteren Einspielungen der Komponistin selbst an:

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