Blockflöte lernen – 20 Fragen an Vera Petry

(23.09.2022)

Vera Petry |

Homepage: https://flautodolce.info/


Seit Vera Petry denken kann, ziehen Blockflöten und Tasteninstrumente sie magisch an. Sie hat Blockflöte und Cembalo als Hauptfach in Deutschland und den Niederlanden studiert: Ihre pädagogische Ausbildung auf der Blockflöte erhielt sie in Saarbrücken an der Hochschule für Musik Saar. ...

An der Blockflöte faszinieren mich der warme, weiche Klang und die natürliche Spielweise: der direkte Kontakt der Finger zum Holz und das schöne Gefühl, mit dem eigenen Atem, ähnlich wie beim Gesang, das Instrument zum Leben zu erwecken. Außerdem liebe ich Barockmusik und darin lässt sich die Blockflöte ganz wunderbar einsetzen.


VORAUSSETZUNGEN


Was ist das perfekte Einstiegsalter?

Ab ca. fünf bis sechs Jahren können Kinder mit dem Spiel der Sopranblockflöte beginnen. Für die Altblockflöte sind die Finger und der Körper im Alter von ca. zehn Jahren groß genug. Eigentlich ist die Altblockflöte das ‚Hauptinstrument‘ unter den Blockflöten, da ihr Tonbereich den anderen Melodieinstrumenten wie z. B. Querflöte, Violine oder Oboe entspricht. Natürlich kann man auch im Erwachsenenalter mit dem Blockflötespielen beginnen.

Muss ich Noten lesen lernen?

Das Notenlesen geht ganz selbstverständlich einher mit dem Erlernen des Blockflötenspiels. Man braucht es nicht vorher schon zu können, sondern lernt mit jedem neuen Griff auf der Blockflöte auch die entsprechende Note kennen und kann sie sich einprägen. Gerade Erwachsene befürchten manchmal, dass sie bereits Vorkenntnisse im Notenlesen haben müssten, dabei ist das Sache einer guten Lehrkraft oder eines Lehrwerks. Es wäre übrigens viel schwieriger und man käme viel langsamer voran, wenn man auf das Notenlesen verzichten würde!

Gibt es Instrumente, die auf dieselbe Art gespielt werden?

Körper- und Fingerhaltung beim Blockflöte spielen sind vergleichbar mit dem Oboen- oder Klarinettenspiel, es gibt jedoch keinen komplizierten Ansatz am Mundstück wie bei den beiden letztgenannten Holzblasinstrumenten.

Bei den Blockflöten gibt es unterschiedliche Größen: Die Sopranblockflöte ist wohl die bekannteste, die nächstgrößere Altblockflöte klingt etwas tiefer. Noch größer sind die Tenorblockflöte, Bass-, Großbass- und Subbassblockflöte – letztere ist ganze zwei Meter hoch! Kleiner als die Sopranblockflöte sind hingegen die Sopraninoblockflöte und die Garklein-Blockflöte, die nur so groß wie eine Zigarre ist und sehr piepsig klingt.

Welche körperlichen Voraussetzungen sind von Vorteil?

Da der Anfang wie auf jedem Instrument knifflig sein kann, sollte man sich eine Weile konzentrieren und Geduld haben können. Ein gutes Körpergefühl hilft den Körper aufrecht zu halten, die Finger locker auf den Grifflöchern zu platzieren und den Atem frei fließen zu lassen. Nach meiner Erfahrung bekommen das aber die meisten Menschen hin, die motiviert sind, das Instrument gut spielen zu lernen.

Für die Altblockflöte müssen Körper und Finger lang genug sein, entsprechend später für das Spiel der noch größeren Blockflöten. Junge Kinder fangen deshalb meist mit der Sopranblockflöte an.

Wie erkennt man, ob man für das Instrument bereit ist?

Indem man richtig Lust darauf hat, dieses Instrument spielen zu können.

Eine Probestunde unter fachkundiger Anleitung ist gut, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob die Blockflöte einem liegen könnte und ob man ein Bläsertyp ist.

Eine weniger gute Idee ist es, ‚erst mal nur mit Blockflöte‘ anzufangen, weil man eigentlich bald auf ein ‚richtiges‘ Instrument umsteigen möchte. Damit hat man nichts gewonnen – es sei denn, die Blockflötenlehrkraft kann so für ihr Instrument begeistern, dass man bei der Blockflöte bleibt.


FINANZIELLES


Was kostet das Instrument?

Eine gute Anfänger-Sopranblockflöte aus Holz bekommt man ab etwa 60 €. Bei Altblockflöten empfehle ich, bei den Modellen aus Holz ab etwa 300 € einzusteigen. Dafür bekommt man ein Instrument, das man viele Jahre spielen kann. Modelle aus Kunststoff gibt es unter 100 €. Bauweise und Holzart der Blockflöte bestimmen den Preis. Instrumente aus besonders schön und obertonreich klingenden Edelhölzern wie zum Beispiel Buchsbaum, Olivenholz oder Palisander kosten im Laden mehrere 100 € und beim Flötenbauer über 1000 €.

Gibt es weitere Kosten?

Da man so oft wie möglich im Stehen spielen und auch im Sitzen eine gute, aufrechte Haltung einnehmen sollte, braucht man einen Notenständer. Edelholzflöten müssen von Zeit zu Zeit geölt werden, dazu reicht (für eine sehr lange Zeit!) ein Fläschchen Mandel- oder Leinöl aus der Apotheke. Einige Blockflötenfirmen liefern das Öl aber schon gleich beim Kauf des Instruments mit. Ein Metronom (oder eine passende App) sollte man haben, und man braucht natürlich Notenmaterial.

Wie aufwendig ist die Wartung?

Sehr gering, würde ich sagen: Edelholzflöten muss man regelmäßig ölen, etwa alle 3 bis 6 Monate (je nach Beanspruchung). Ansonsten ist es wichtig, das Kopfstück der Blockflöte vor jedem Spielen gut anzuwärmen (in der Hand oder unter der Kleidung) und nach dem Spielen das Holz immer gut trocknen zu lassen, bevor man sie wieder einpackt. Selbstverständlich sollte man die Blockflöte niemals in die Sonne oder auf die Heizung legen...

Wie wird das Instrument transportiert?

In einer gepolsterten Blockflötenhülle oder einem festen Kasten, die beim Kauf dazugehören.


Noten zum Einstieg


ÜBUNG MACHT DEN MEISTER


Kann man sich das Instrument selbst beibringen?

Nach meiner Einschätzung funktioniert es für die allermeisten Menschen besser und ergibt weitaus mehr Sinn unter fachkundiger Anleitung, wie bei anderen Instrumenten auch.

Es ist deutlich schwieriger, falsch Erlerntes wieder abzutrainieren, als gleich von Anfang an die richtigen Tipps und Anweisungen zu bekommen. Darüber hinaus bleibt man viel motivierter, wenn man regelmäßiges Feedback erhält, wie man sein Blockflötenspiel verbessern kann und welche Spielstücke, Lehrwerke oder Etüden man sich vornehmen könnte.

Wie wählt man passendes Übungsmaterial aus?

Das erste Lehrmaterial wählt man am besten nicht nur danach aus, dass man ‚alle Töne‘ ganz schnell lernt, sondern ob darin auch Fingertechnik, Atemtechnik, Artikulation und Haltung trainiert werden. Man liegt schon mal richtig, wenn man zunächst ein gutes Lehrwerk (Blockflötenschule) aussucht, dessen inhaltlichem Aufbau man folgen kann. Darin ist dann oft auch wieder weiterführendes Notenmaterial (z. B. aus dem Hochbarock) enthalten, das einen das Repertoire der Blockflöte entdecken lässt.

Wie kann man üben, ohne andere zu stören?

Klar kann man das. Es kommt natürlich auf die Wohnsituation an und natürlich muss man sich an Ruhezeiten halten, wie bei anderem ‚Lärm‘ auch. Die Blockflöte ist aber nicht eines der lautesten Instrumente, und von Anfang an richtig gelernt, klingt sie auch nicht schrill und schief. Wenn man sich mit den Nachbarn gut versteht, werden diese eine Stunde Üben am Tag bestimmt verzeihen.

Welche unterschiedlichen Spieltechniken gibt es?

Im Prinzip werden alle Blockflöten der Blockflötenfamilie auf die gleiche Art gespielt. Größere Blocklöten haben teilweise Griffklappen, damit die Löcher mühelos geschlossen werden können.

Viele besondere Spieltechniken finden wir vor allem in zeitgenössischer Musik für die Blockflöte, wie etwa die Flatterzunge, ein rollendes „RRR“ mit der Zunge beim Blasen, oder auch das Glissando, das Wegziehen oder Draufschieben der Finger. Die Blockflöte hat ein sehr weites Spektrum an Klängen und Spieltechniken.

Wann kann man mit ersten Erfolgen rechnen?

Wenn man regelmäßig unter fachkundiger Anleitung übt, stellen sich sehr bald Erfolge ein, weil die Lernschritte angepasst sind an das, was man im eigenen Tempo hinzulernen und umsetzen kann. ‚Erfolg‘ ist dabei subjektiv: Er kann für den einen bedeuten, das erste Liedchen fehlerfrei mit lockeren Fingern hinzubekommen und für den anderen, die erste Blockflötensonate mit Cembalo-Begleitung im Vorspiel vorzutragen.


UND DANN...


Was sind beliebte Stücke für das erste Vorspiel?

Oft erklingen Lieblingsstücke aus dem ersten Blockflötenlehrwerk oder sehr leichte Tanzsätze aus der Renaissance- oder Barockzeit. Es gibt aber auch sehr gute moderne Literatur, die schon recht früh gespielt werden kann, wie zum Beispiel die 12 Variationen über Kinderlieder von Gerhard Braun.

Erkennbare Melodien mit Text und schwungvolle Rhythmen sind für Anfänger hilfreich. Erwachsene Wiedereinsteiger mit der Sopranblockflöte spielen häufig gerne etwas aus der Partita in G-Dur für Sopranblockflöte von Georg Philipp Telemann.

Was sind die Klassiker und was ist Dein Lieblingsstück?

Ensemblestücke aus der Renaissance oder die Solo-, Kammer- und Orchestermusik mit Blockflöte von etlichen Komponisten des Früh- und Hochbarock, wie z. B. Girolamo Frescobaldi oder Georg Philipp Telemann. Wunderschön ist der Der Fluyten Lust-hof, eine Sammlung von Solostücken mit Variationen des Niederländers Jakob van Eyck, der als blinder Blockflötist im 17. Jahrhundert die Besucher des Kirchhofs in Utrecht mit dem Spielen der ‚Schlager‘ seiner Zeit erfreute.

Ich liebe besonders das Concerto von Antonio Vivaldi in c-Moll für Altblockflöte und Orchester und die Sonate BWV 1034 von Johann Sebastian Bach.

Welches Stück macht richtig Lust auf das Instrument?

Beim Solospiel könnte „Engels Nachtegaeltje“ aus dem Fluyten-Lusthof von Jakob van Eyck sein, bei dem die Blockflöte das Zwitschern und Tirilieren der Nachtigall eindrucksvoll imitiert, oder ein ganz modernes Stück mit spannenden, ungewohnten Spieltechniken wie Flatterzunge, Labiumvibrato oder Flageoletttönen. Im Blockflötenquartett macht das schmissige The Entertainer von Scott Joplin immer richtig gute Laune und motiviert zum Üben.

Die Liste wäre hier noch unendlich...

Wie kann man mit anderen gemeinsam musizieren?

Im Blockflötenensemble mit zwei, drei, vier oder mehr Blockflöten kann man regelmäßig zusammen proben und Stücke erarbeiten. Das Ensemblespiel macht sehr viel Spaß und ist eine optimale Ergänzung zum Einzelunterricht.

Genauso gut kann man aber auch mit den meisten anderen Instrumenten zusammen musizieren: mit dem Klavier, der Violine, dem Akkordeon oder der Orgel und sogar als Solist mit einem ganzen Orchester.

Welche Funktion erfüllt das Instrument in Ensembles?

Im Blockflötenensemble bilden die höher klingenden Blockflöten, wie die Sopranblockflöte, die Oberstimmen und die tiefer klingenden, wie Alt-, Tenor- oder Bassblockflöten, die Mittel- und Unterstimmen.

In Sonaten und Suiten für Blockflöte mit Basso continuo, also beispielsweise für Blockflöte mit Klavierbegleitung, oder in Orchesterwerken ist die Blockflöte meist als Melodieinstrument in der Oberstimme vertreten.

Gibt es Klischees zum Instrument und seinen Spielern?

Dazu könnte man bei der Blockflöte ganze Bände schreiben, z. B. dass sie ein reines Anfängerinstrument sei, das man im Alter von fünf Jahren beginnt, indem man ‚alle Töne‘ lernt, um danach auf ein ‚richtiges Instrument‘ umzusteigen…

Dabei sind die ältesten Flöten ca. 50.000 Jahre alt. Ihre Blütezeit hatte die Blockflöte im 18. Jahrhundert: Johann Sebastian Bach hat sie beispielsweise in seinen Brandenburgische Konzerten eingesetzt. In der Zeit der Wiener Klassik und der Romantik geriet die Blockflöte in Vergessenheit.

Das Klischee, dass die Blockflöte schief und verstimmt klingt und ein nicht ernst zu nehmendes Instrument ist, entstand erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als man die Blockflöte wiederentdeckte und schlecht gebaute Flöten zum Wandern und Musizieren in der Natur einsetzte – einfach in den Rucksack gesteckt und los ging’s.

Zum Glück gibt es heute sehr gute Lehrwerke zum richtigen Erlernen des Blockflötenspiels und natürlich gut ausgebildete, engagierte Lehrkräfte.

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