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Horn lernen – 20 Fragen an Katharina Hauf

(14.05.2021)

Katharina Hauf |

Katharina Hauf spielt seit ihrem 8. Lebensjahr Horn. Seit 2014 ist sie stellvertretende Solohornistin bei den Augsburger Philharmonikern am Staatstheater Augsburg. ...

VORAUSSETZUNGEN


Was ist das perfekte Einstiegsalter?

Ab der 1. oder 2. Klasse ist ein guter Einstieg möglich.

Muss ich Noten lesen lernen?

Für jedes Blasinstrument ist es früher oder später essenziell, Noten lesen zu können. Zu Beginn kann man aber auch sehr viele Grundfähigkeiten z.B. über Trockenübungen, Luftübungen oder Naturtonbindungen trainieren. Anfänger verknüpfen meistens einzelne Töne im Kopf mit der Ventilkombination und dem Gefühl des Anblasdrucks am Mundstück. Über dieses „Learning by Doing“ kann man am Anfang nebenbei ganz einfach das Notenlesen lernen.

Gibt es Instrumente, die auf dieselbe Art gespielt werden?

Die Wagner-Tube ist sehr eng mit dem Horn verwandt. Sie ähnelt vom Aussehen her zwar mehr einem Tenorhorn, allerdings wird sie mit einem Horn-Mundstück gespielt und hat auch dieselbe Griffweise wie das Horn. Somit übernehmen im Sinfonieorchester die Hornisten den Job an der Wagnertuba. Sie klingt noch weicher und wärmer als das Horn und ist sozusagen das Verbindungsstück (daher auch der Name) zum tiefsten Blechblasinstrument im klassischen Sinfonieorchester – der Tuba.

Viele Hornisten interessieren sich neben dem Ventilhorn auch für das Naturhorn oder das Jagdhorn, von dem unser heutiges Instrument abstammt. Deshalb gibt es auch die sogenannten traditionellen Jagdhornbläsergruppen, die auch heute noch bei Gesellschaftsjagden zum Einsatz kommen. Die Aufgabe der Hornspieler ist hier mittels verschiedener Hornsignale die Verständigung unter den einzelnen Jagdgruppen zu ermöglichen. Das Jagdhorn hat allerdings keine Ventile, die Töne werden lediglich über die Luftführung und den Ansatz geformt und verändert. Es erklingen nur die sogenannten Naturtöne.

Welche körperlichen Voraussetzungen sind von Vorteil?

Körperliche Vorteile für das Hornspielen sind mit Sicherheit eine stabile Rücken- und Nackenmuskulatur sowie die Fähigkeit, das Instrument angemessen halten zu können. Bei zu wenig Kraft in den Oberarmen können sich langfristig unvorteilhafte Haltungsmuster etablieren, die wiederum das mühelose Musizieren beeinträchtigen können. Ebenso wichtig ist eine gut ausgeprägte Gesichtsmuskulatur sowie eine gesunde Kieferposition. Menschen mit Kieferanomalien oder auch Spangenträger tun sich mit der sehr direkten Tonproduktion am Mundstück oft extrem schwer.

Wie erkennt man, ob man für das Instrument bereit ist?

Wenn die Begeisterung und Faszination für das Horn groß genug sind, ergibt sich der Rest von selbst.


FINANZIELLES


Was kostet das Instrument?

Ein Anfängerinstrument, beispielsweise ein Kinder-Horn, erwirbt man neuwertig ab ca. 300 €. Ein passables Instrument für Fortgeschrittene hat einen Neuwert von ca. 2000 €. Für ein Profi-Instrument muss man ca. 8000 € rechnen. Nach oben sind – wie immer – keine Grenzen gesetzt. Allerdings ist der Gebrauchtmarkt bei Blechblasinstrumenten sehr groß und man kann hier durchaus einen Glücksgriff machen. Leihinstrumente gibt es oftmals in Musikvereinen, Bläserklassen oder aus privater Hand ab ca. 20 € pro Monat.

Gibt es weitere Kosten?

Das kommt ganz auf die eigene Motivation an, seinem Instrument selbst regelmäßig eine kleine Schönheitskur zu gönnen wie z. B. das Ölen der Ventile oder das Ausputzen des Mundrohres (Öl kostet ca. 8 €). Dies sind kleine Aufgaben, welche langfristig gesehen aber viel Geld sparen können. Ansonsten fällt lediglich noch das Notenmaterial an. Eine Hornschule mit Playalong oder einer seperaten Klavierbegleitung kostet gut und gerne schon einmal um die 25 €.

Wie aufwendig ist die Wartung?

Beim Horn sind vor allem die Ventile sehr sensibel. Sie können bei extremen Temperaturunterschieden oder auch bei längerer Nichtbenutzung des Instrumentes schnell hängen bleiben. Von einer Eigenreparatur rate ich hier ab – lieber bringen Sie das Instrument zu einer Meisterwerkstatt.

Wie wird das Instrument transportiert?

Es gibt für das Horn zum einen Gigbags (gepolsterte Taschen) zur Aufbewahrung, zum anderen auch Hartschalenkoffer. Das Zweite ist die teurere, aber stabilere Variante, die ich in jedem Fall für einen sicheren Transport empfehle. Zu Hause sollte das Instrument ohnehin nicht allzu lange im Koffer aufbewahrt werden, da die Ventile zu klemmen beginnen, wenn man länger nicht darauf spielt. Außerdem erhöht die Feuchtigkeit im Horn die Korrosion, wenn es nicht an die frische Luft kommt und trocknen kann.


ÜBUNG MACHT DEN MEISTER


Kann man sich das Instrument selbst beibringen?

Im Grunde unterrichten wir uns alle selbst, indem wir zu Hause konsequent üben. Dennoch gilt in jedem Fach dieselbe Regel: Vier Augen sehen mehr als zwei. Die Lehrkraft kann von außen viel besser sehen und erkennen, was für die Weiterentwicklung eines jeden Schülers unabdingbar ist. Beim Hornspielen (wie auch bei allen anderen Blasinstrumenten) gibt es eigene technische Anforderungen, wie z. B. der Zungenstoß oder die Luftführung, die vor allem anfangs regelmäßig durch die Lehrkraft überprüft werden sollten.

Wie wählt man passendes Übungsmaterial aus?

Es gibt verschiedene Bereiche, die man beim Hornüben trainieren kann – je nachdem, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen. Ein Schüler, der Probleme mit dem Zungenstoß hat, sollte sich auf Naturtonbindungs- und Zungenstoßübungen konzentrieren. Jemand, der eine unstete Luftführung hat, könnte sich Atemübungen in Kombination mit weichen Legato-Etüden vornehmen, und vieles mehr: Man lernt nie aus!

Wie kann man üben, ohne andere zu stören?

Hier gilt folgende Regel: Üben Sie lieber 20 Minuten sehr fokussiert und mit voller Begeisterung, anstatt mehrere Stunden unstrukturiert und unkontrolliert. Dies wird auch Ihre Nachbarn erfreuen. Für die Nachteulen unter Ihnen gibt es sogenannte Übedämpfer, die den Klang auf ein Minimum herunterfahren.

Welche unterschiedlichen Spieltechniken gibt es?

Neben den üblichen Spielweisen (Legato, Portato, Staccato…) gibt es beim Horn die sogenannte Stopftechnik: Hierbei werden Klang und Ton durch das Einführen der rechten Hand in den Schalltrichter verändert.

Wann kann man mit ersten Erfolgen rechnen?

Es gibt bei jeder noch so kleinen Trainingseinheit einen Erfolg, wenn man so will. Man bedenke, dass am Anfang schon alleine das Anspielen eines einzelnen Tons auf einem Blechblasinstrument eine Herausforderung ist. Also könnte man hierbei schon von einem ersten großen Erfolg sprechen.

Mit viel Ehrgeiz und Spaß können viele Schüler aber schon nach vier Monaten regelmäßigen Übens ein schönes Repertoire z.B. unter dem Weihnachtsbaum vortragen.


Noten zum Einstieg


UND DANN...


Was sind beliebte Stücke für das erste Vorspiel?

Heutzutage gibt es für beinahe alle Instrumente geeignete Anfängerliteratur in allen Stilen. Sehr gerne empfehle ich für die ersten Vorspielabende oder Wettbewerbe Solostücke für den Unterricht für Horn und Klavier aus dem echo-Musikverlag.

Was sind die Klassiker und was ist Dein Lieblingsstück?

Wahre Klassiker für uns Hornisten sind wohl Hornkonzerte von W. A. Mozart – die sollte jeder Hornspieler kennen.

Welches Stück macht richtig Lust auf das Instrument?

Hören Sie sich einmal En foret von Eugène Bozza an. Hier ist die ganze Palette an Hornfarben geboten.

Wie kann man mit anderen gemeinsam musizieren?

Das Horn ist sehr vielseitig einsetzbar. In den klassischen Besetzungen ist das Horn natürlich unabdingbar – in einem großen Sinfonieorchester, genauso wie auch in der Kammermusik (v. a. Blechbläserensemble oder Holzbläserquintett). Sehr viele Hornisten fangen in der Musik-/Blaskapelle an, ihre Leidenschaft für das Instrument zu entdecken. Hin und wieder gibt es für das Horn auch spannende Stücke in der Big Band.

Welche Funktion erfüllt das Instrument in Ensembles?

Häufig hat das Horn eine Füllfunktion, wie zum Beispiel bei der Begleitung in der Blaskapelle, doch wir Hornisten haben immer wieder auch wahre Sternstunden. Da kommt mir jegliche Art der Filmmusik in den Sinn. Hören Sie sich dazu „Princess Leia's Theme“ aus Star Wars an. Hier können wir Hornisten wieder beweisen, wie wundervoll warm und gleichzeitig herzzerreißend das Horn klingt.

Gibt es Klischees zum Instrument und seinen Spielern?

Eine Spezialität eines jeden Hornisten wird wohl das sogenannte ‚Kieksen‘ sein – dieses harmlose Wörtchen beschreibt den Moment, wenn dann doch mal ein Tönchen daneben geht.

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