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Instrumente lernen – warum, wann, wie?

Antworten auf erste Fragen

von Benjamin Haupt (08.02.2021)


Ein Instrument zu erlernen, ist Wunsch vieler junger und junggebliebener Menschen. Dabei stellen sich im Vorfeld viele Fragen. Einige davon können Sie selbst nach Ihren Vorlieben und Vorstellungen vielleicht relativ einfach beantworten: Welches Instrument spricht mich an? Will ich solistisch, im Ensemble oder einfach nur für mich zum Vergnügen spielen? Will ich Pop, Rock, Jazz, Klassik, Volksmusik oder von allem etwas spielen?

Und dann gibt es noch die Fragen, bei deren Beantwortung wir Ihnen unterstützend zur Seiten stehen können: Sollte ich Noten lesen lernen? Soll ich das Instrument lieber kaufen oder leihen? Brauche ich Unterricht von einer Lehrkraft oder kann ich mir das Instrument selbst beibringen?

Benjamin Haupt

Popularmusikbeauftragter des Bezirks Unterfranken, Vorstandsmitglied vom Musikschulverein WiMu e.V., Gitarrist und Songwriter. ...

Unterricht nehmen: Ja, nein oder warum überhaupt?

Die Frage, ob man überhaupt Unterricht von einer qualifizierten Lehrkraft braucht, stellt sich vor allem im Pop- und Rockbereich. „Die Beatles hatten schließlich auch keinen Unterricht.“, hört man oft als Argument. Diese Aussage stimmt aber nur halb, denn vier Pilzköpfe John, Paul, Ringo und George haben sich durchaus Tipps und Tricks, komplizierte Akkorde und Rhythmen von erfahrenen Musikern aus ihrem direkten Umfeld zeigen lassen – Peer-Learning würde man heute dazu sagen.

Und doch ist es so, dass der Einstieg auf Gitarre, Bass, Drums und an den Tasten im Pop- und Rockbereich relativ leicht ist und man erste Akkorde und/oder Rhythmus-Patterns schnell lernen kann. Wie immer gilt aber auch hier: Der Teufel steckt im Detail! Denn ohne qualifizierte Anleitung schleichen sich schnell Fehler in der Handhaltung oder der Spieltechnik ein, die man sich später, wenn es komplizierter wird, nur schwer wieder abtrainieren kann.

In der klassischen Musikausbildung und vor allem bei Streich- und Blasinstrumenten geht der Weg so gut wie nie an einer Lehrkraft vorbei. Die ersten Gehversuche auf Instrumenten wie Geige oder Trompete können dem freiwilligen oder unfreiwilligen Zuhörer auch schon einmal in den Ohren schmerzen. Da braucht es eine gut ausgebildete Lehrkraft, die Hilfestellungen auf dem Weg zu den ersten wohlklingenden Tönen und Musikstücken leisten kann.

Dass man auch ohne Lehrer herausragende Fähigkeiten an seinem Instrument ausbilden kann, zeigen einige prominente Beispiele aus der Musikgeschichte. Wesentlich mehr große und kleine Stars und Sternchen auf dem Gebiet der Musik hatten aber guten Unterricht, der Ihnen den Weg geebnet hat.

Ist das Notenlesen für das Spielen eines Instruments notwendig?

Ja und Nein. Während man in der Klassik kaum am Notenlesen vorbeikommt, ist es im Pop-/Rock-/Jazz-Bereich etwas leichter, sich ohne Notenkenntnisse ganz nach oben ‚zu mogeln‘. Grundsätzlich gilt, wer keine Noten lesen kann, braucht ein ausgezeichnetes Gehör und musikalisches Gedächtnis, um mit anderen, notenkundigen Musikern mithalten zu können – und das ist wesentlich schwerer auszubilden, als die relativ leichte Symbolik hinter der Notenschrift zu erlernen. Haben Sie keine Angst davor, es ist ganz einfache Mathematik und es macht einem das Leben mit dem Instrument in vielen Bereichen leichter.

Genauso verhält es sich im Übrigen auch mit der Allgemeinen Musiklehre & -theorie. Grundkenntnisse sind für eine erfolgreiche Betätigung als Musiker sehr wichtig und fördern das Verständnis für das Gespielte ungemein. Stellen Sie sich einfach einen Architekten oder eine Bauingenieurin vor, die von Statik keine Ahnung haben – wie lange wird das Haus wohl stehen bleiben?

Was für Vorteile hat es, sich ein Instrument zu leihen; wo ist das möglich und wie hoch ist die Leihgebühr?

„Wer billig kauft, kauft zweimal“, heißt es immer so schön und das stimmt leider auch bei Instrumenten. Besonders bei sehr teuren Instrumenten wie Streich- und Blasinstrumenten macht es Sinn, diese für den Anfang zu leihen. Der Musikinstrumentenmarkt ist voll von Billigangeboten, von deren Kauf dringend abzuraten ist.

Instrumente sind die Werkzeuge der Musiker und mit einem krummen Bohrer kann auch der beste Handwerker kein gerades Loch bohren. Um die Lust am Musizieren besonders am Anfang, wenn der Ton noch nicht so schön ist und nicht alles auf Anhieb klappt, nicht zu verlieren, ist es wichtig, dass man auch hier schon auf eine gute Qualität des Instruments achtet. Eine Gitarre für 50€ ist meistens so schlecht verarbeitet, dass es schlicht unmöglich ist, Musik auf ihr zu machen.

Daher ist man gut beraten, sich ein Instrument zu leihen, wenn der Geldbeutel den Kauf nicht erlaubt oder man sich einfach noch nicht so ganz sicher ist, ob man dabei bleibt. Sprechen Sie Ihre Lehrkraft an, ob z.B. die Musikschule Instrumente zum Verleih anbietet oder gehen Sie in den lokalen Musikladen und fragen dort nach. Die Leihgebühr unterscheidet sich je nach Instrument und Dauer des Leihvertrages. Egal, ob Sie kaufen oder leihen, lassen Sie sich von Ihrer Lehrkraft bei der Wahl des Instruments unbedingt beraten – dann haben Sie ein gutes, dem Stand der Fertigkeiten angemessenes Instrument und sparen auf lange Sicht jede Menge Geld.

Ist es sinnvoll, eine Versicherung abzuschließen?

Das hängt vor allem davon ab, wie wertvoll das Instrument ist und ob man damit viel unterwegs ist. Für ein gängiges Schülerinstrument, das zweimal die Woche zum Unterricht und zur Ensembleprobe mitgenommen wird, ist eine Versicherung nicht unbedingt nötig. Für die geerbte Stradivari, die Sie auf Flugreisen dabei haben, wiederum unbedingt! Eine Versicherung macht dann Sinn, wenn die Gefahr von Diebstahl oder Beschädigung groß und der Wiederbeschaffungswert des Instruments sehr hoch ist. Bei vielen Hausratversicherungen kann z. B. oft auch relativ günstig eine Instrumentenversicherung dazugebucht werden. Die Entscheidung, ob eine Versicherung sinnvoll ist, ist aber natürlich jedem selbst überlassen. Zur richtigen Aufbewahrung und Pflege des Instruments kann eine Lehrkraft ebenfalls wertvolle Hinweise geben.

Was sind die Unterschiede zwischen Einzel-, Gruppen- und Online-Unterricht?

Die Bezeichnungen der verschiedenen Unterrichtsformen beschreiben deren Unterschiede schon recht genau. Keines der drei Formate ist besser als das andere und alle haben ihre Vor- und Nachteile.

Beim Einzelunterricht profitieren die Schüler von der ungeteilten Aufmerksamkeit der Lehrkraft, die gezielt auf die jeweiligen Bedürfnisse eingehen kann. Außerdem ist man etwas freier in der Auswahl der Stücke und kann all seine Fragen loswerden, die beim Üben aufgetreten sind. Im Vergleich zum Gruppenunterricht hat man selbstverständlich weniger Möglichkeiten mit anderen gemeinsam zu musizieren, was ein wichtiger Bestandteil der Musik ist. Motivierten Anfängern ist der Einzelunterricht ans Herz zu legen, da man hier die besten Erfolge erzielen kann. Zudem sollte man schon früh ein Ensemble aufsuchen, um mit anderen gemeinsam musizieren zu können.

Im Gruppenunterricht kommt es immer auf die Gruppenstärke an, inwieweit die Lehrkraft auf die Belange des Einzelnen eingehen kann. Mittlerweile gibt es sehr gute didaktische Konzepte für den Gruppenunterricht und die Erfolge, die junge Schüler mit dieser Unterrichtsform erzielen, sprechen für sich. Ein Vorteil ist hier, dass das gemeinsame Musizieren dem Gruppenunterricht immanent ist und man von Anfang an lernt aufeinander zu hören, miteinander zu spielen und einen Klangkörper zu bilden.

Spätestens seit der Corona-Pandemie spielt der Online-Unterricht eine wichtige Rolle. Viele Musiklehrkräfte haben feststellen müssen, dass das Online-Unterrichten gar nicht so schlecht ist wie anfangs vermutet, unterscheidet sich der Unterricht inhaltlich nicht so stark vom Präsenzunterricht. Einige Nachteile gibt es aber: Gemeinsames Musizieren über Videoplattformen ist aufgrund der Zeitverzögerung in der Übertragung von Video und Ton unmöglich. Die Klangqualität ist ohne entsprechendes tontechnisches Equipment nicht gut genug, um die Tongestaltung bewerten zu können, was einen wichtigen Teil des Unterrichts ausmacht. Zu guter Letzt hat die Lehrkraft keine Möglichkeit, mal fix den Finger des Schülers an die richtige Stelle zu setzen, und damit mehr Erklärungsbedarf. Der Online-Unterricht bietet in den meisten Fällen keine vollwertige Alternative zum Unterricht vor Ort – kann aber hin und wieder dafür sorgen, dass Unterricht nicht ausfallen muss.

Unterrichtsdauer und Regelmäßigkeit

Viele Musikschulen und -lehrkräfte bieten Einzel- und Gruppenunterricht in den Längen 22,5 Minuten, 30 Minuten, 45 Minuten und 60 Minuten an. Von der Option 22,5 Minuten ist nach der Meinung des Autors dringend abzuraten, da diese Zeit meistens mit dem Auspacken und Stimmen des Instruments sowie der Wiederholung der Hausaufgabe(n) so gut wie verstrichen ist. Logisch, dass dann wenig Zeit für die Erarbeitung neuer Stücke und die Erklärung neuer Sachverhalte bleibt. Im Einzelunterricht sind mindestens 30, am besten 45 Minuten pro Woche empfehlenswert, im Gruppenunterricht mindestens 45 Minuten. Besonders ambitionierte oder fortgeschrittene Schüler nehmen gerne 60 bis 90 Minuten Unterricht pro Woche, um die Möglichkeit zu haben, mehr ins Detail gehen zu können.

Auf welche Unterrichtskosten muss ich mich einstellen?

Je nach Länge und Regelmäßigkeit der Einheiten fallen die Preise unterschiedlich aus. Ein weiterer Faktor ist auch, ob man an einer kommunal geförderten Musikschule oder einem privaten Musikinstitut, bzw. bei einer privaten Lehrkraft Unterricht nimmt. In der Regel erhält man 36 bis 40 Unterrichtseinheiten pro Jahr, je nachdem wie die Ferien und Feiertage liegen, an denen normalerweise kein Unterricht stattfindet. Laut der Website Kostenkiste.de kostet eine Dreiviertelstunde Unterricht pro Woche durchschnittlich 82,85 € im Monat. Dieser Durchschnittswert berechnet sich aus Angeboten von privaten und öffentlichen Musikschulen sowie von privaten Instrumentallehrern in ganz Deutschland und ist daher ein guter Anhaltspunkt für die zu erwartenden Kosten.

Bei öffentlichen Musikschulen, die meist von den Kommunen betrieben werden, sind die Preise aufgrund von Zuschüssen durch die öffentliche Hand oft etwas günstiger. Einkommensschwächere haben zudem oft die Möglichkeit, einen Zuschuss zu beantragen. Allgemein hat auch die Länge des Unterrichtsvertrags Einfluss auf die Kosten, wobei Jahresverträge hier die Regel sind und die einzelne Stunde durch die langfristige Bindung etwas günstiger wird. Bei privaten Anbietern sind zwar die Kosten etwas höher, dafür ist man flexibler und kann die Stunden nach Bedarf buchen oder verschieben, was besonders für Berufstätige interessant sein kann.

Insgesamt bewegen sich die Preise zwischen 40 – 120 € pro Monat für 45 Minuten pro Woche und sind abhängig von der Qualifikation der Lehrkraft und dem Standort. Auf dem Land ist es aufgrund der geringeren Nachfrage meistens etwas günstiger als in der Stadt.

Wie finde ich eine passende Lehrkraft? Gibt es Unterschiede im Unterrichtsangebot zwischen Land und Stadt?

Da haben wir ihn wieder, den Unterschied zwischen Stadt und Land. In mittleren und größeren Städten gibt es fast immer eine öffentliche Musikschule, viele private Lehrkräfte und Musikinstitute sowie Musikvereine, was es leichter macht, eine passende Lehrkraft zu finden. In den eher ländlichen Regionen bleibt den meisten nur die Fahrt in die Stadt übrig, wenn die Musikschule keine Außenstelle im eigenen Ort anbietet.

Musikvereine, wie Blaskapellen oder Chöre, spielen für die Musikausbildung im ländlichen Raum eine wichtige Rolle, bieten sie neben der Ensemblearbeit auch Unterricht für den Nachwuchs an. Hier sind es oft erfahrenere Ensemblemitglieder, die die Ausbildung übernehmen. Dass diesen meist eine professionelle instrumentale und (musik-)pädagogische Ausbildung, wie beispielsweise ein Musikstudium fehlt, muss nicht zwingend ein Nachteil sein. Ein Diplom an der Wand ist auch nicht immer das Maß aller Dinge. Ambitionierte Schüler, die vielleicht sogar überlegen, einmal Musik zu studieren, sollten aber bei einer ausgebildeten Lehrkraft Unterricht nehmen.

Private Lehrkräfte, die den Unterricht in den eigenen Räumlichkeiten oder auch beim Schüler zu Hause anbieten, gibt es viele. Hier lohnt sich beispielsweise ein Blick auf die Seiten der regionalen Tonkünstlerverbände, die hier die privat unterrichtenden Mitglieder mit Kontaktdaten aufführen. Auch der Gang zum lokalen Musikgeschäft kann lohnend sein, da entsprechende Musiker dort bekannt sind oder Unterrichtsangebote am schwarzen Brett aushängen.

In den allermeisten Fällen haben Musikschulen und private Musikinstitutionen qualifizierte Lehrkräfte eingestellt. Oft werden dort auch Schnupperstunden angeboten, von denen unbedingt Gebrauch gemacht werden sollte, auch um die Lehrkraft vor Vertragsabschluss kennenzulernen. Instrumentalunterricht, insbesondere Einzelunterricht, ist oft eine sehr persönliche Angelegenheit, da man oft über Jahre hinweg eine Beziehung zu einer Lehrkraft aufbaut. Scheuen Sie sich nicht, dies im Unterricht anzusprechen oder sogar die Lehrkraft zu wechseln, wenn es zwischenmenschlich nicht funktioniert. Dass man sich im Instrumentalunterricht gut versteht und gerne zur wöchentlichen Stunde geht, ist für die persönliche Motivation und damit auch für das erfolgreiche Erlernen eines Instruments ein nicht zu unterschätzender Faktor, der nachhaltigen Einfluss auf die musikalische Betätigung hat – positiv oder negativ.

Welche Gruppierungen gibt es und wie finde ich solche Gruppen?

Vom örtlichen Musikverein über den Kirchenchor bis zum Bundesjugendjazzorchester gibt es verschiedenste Ensembles auf allen Ebenen. Wie bereits eingangs gesagt, haben viele Musikschulen eigene Ensembleangebote, bei denen die jungen Musiker schon früh eingebunden werden können. Auch für den Rock-/Pop-/Jazz-Bereich gibt es Schulbands und andere Angebote an Musikschulen, wie Pop-Chöre oder Bigbands. Sollten Sie bei einer privaten Lehrkraft Unterricht nehmen, kann diese Ihnen mit Sicherheit ein Ensemble empfehlen oder Sie bei der Suche unterstützen – Musiker sind untereinander meistens sehr gut vernetzt.

Nun sind wir auf viele grundlegende Aspekte eingegangen und haben hoffentlich einige offene Fragen beantwortet, die helfen, sich auf dem Weg zum neuen Hobby oder zur späteren Profession etwas besser zurechtzufinden. Eine Sache soll hier noch festgehalten werden: Der beste Lehrer bringt nichts, wenn man nicht übt! In der musikalischen Ausbildung macht die Zeit, die unter Anleitung verbracht wird, nur den kleinsten Teil aus. Daher ist beim Üben ein hohes Maß an Motivation und Eigeninitiative gefragt! Und das am besten täglich und ohne Ablenkung. Je nachdem, welche Ziele man sich steckt, ob man nur aus Spaß an der Freude spielen möchte oder ob eine professionelle Laufbahn angestrebt wird, sind 30 Minuten bis drei Stunden (und mehr) Üben pro Tag angesagt. Nur so machen Sie Fortschritte und es macht umso mehr Freude, umso besser Sie werden und Erfolge verzeichnen können.

Und jetzt frisch ans Werk – Wer weiß, vielleicht hat der nächste Mozart oder die nächste Billie Eilish jetzt gerade Lust bekommen, ein Instrument zu lernen.

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